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Börsentalfahrt für Commerce One

19.06.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zweifel am längerfristigen Bestand der E-Procurement-Partnerschaft mit der SAP AG und andere Ereignisse haben den Aktienkurs von Commerce One in den Keller geschickt. Durch die US-Wirtschaftspresse geistern Berichte, in denen die Vermutung geäußert wird, dass SAP nach dem auf der Sapphire angekündigten Abkommen mit IBM seine Bande zum E-Business-Partner Commerce One lockern könnte. Unter anderem war den Kritikern die Präsenz von Commerce One auf der US-Hausmesse der Deutschen nicht stark genug gewesen. Beim E-Procurement-Spezialisten beeilte man sich sogleich, die Bedenken zu zerstreuen: Die Zusammenarbeit funktioniere "exzellent", erst kürzlich habe man für das gemeinsame Produkt "Market Set" mit Shell einen neuen Großkunden akquiriert.

Der Aktienkurs von Commerce One litt darüber hinaus an der Prophezeiung eines Analysten von Wit Soundview, der dem Unternehmen im laufenden Quartal ein schwächeres Ergebnis als den angepeilten Umsatz von 162 Millionen Dollar und den Verlust von neun Cent je Aktie vorhersagte. Negativ wurde an der Börse außerdem der Weggang von President Robert Kimmitt kommentiert, der einen Management-Posten bei AOL Time Warner antreten wird. Sein Amt soll von Chief Operating Officer (COO) und Vice Chairman Dennis Jones mit übernommen werden.

Schließlich büßte das Commerce-One-Papier dafür, dass es dem Unternehmen im ersten Anlauf nicht gelang, von den Aktionären die Genehmigung für den Umbau in eine Holding zu bekommen. Als Daimler-Chrysler, Ford und General Motors im Februar 2000 den elektronischen Marktplatz Covisint gegründet hatten, war Commerce One als Softwarelieferant mit einer zirka einprozentigen Beteiligung mit im Boot. Damals wurde ausgehandelt, dass die Softwerker ihren Anteil verdoppeln können, sobald die Umwandlung in eine Holding erfolgt ist. Bis zum 8. September hat Commerce One Zeit, die Genehmigung einzuholen. Der Aktienkurs von Commerce One hat sich innerhalb einer Woche auf 3,3 Dollar halbiert.