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Bitkom: "Schwarzmalerei ist nicht angebracht"

04.10.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist vorbei: Der deutsche Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) soll in diesem Jahr gegenüber 2000 um 4,6 Prozent auf 254 Milliarden Mark wachsen. Im Vorjahr hatte die Branche noch um 11,1 Prozent zugelegt. Die treibenden Kräfte sind zurzeit die Segmente Software (plus zehn Prozent), IT-Dienstleistungen (plus zehn Prozent), Mobilfunkservices (plus 15 Prozent) sowie Internet- und Online-Dienste (plus 40 Prozent). Diese Zahlen legte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) am heutigen Donnerstag in München vor. Hersteller von PCs und Handys sowie Anbieter von Infrastrukursystemen befinden sich den Zahlen zufolge in einem schwierigen Marktumfeld. "Schwarzmalerei ist jedoch nicht angebracht", mahnte Bitkom-Präsident Volker Jung. Für das Jahr 2002 erwartet der Verband eine generelle Steigerungsrate

von 4,9 Prozent auf 267 Milliarden Mark.

Der TK-Markt, der im vergangenen Jahr noch mit einer Rekordrate von zwölf Prozent auf 128 Milliarden Mark wuchs, wird in diesem Jahr voraussichtlich nur um 4,3 Prozent auf 134 Milliarden Mark zulegen. Auch im kommenden Jahr geht der Verband von einem eher geringen Wachstum von 4,6 Prozent aus. Außen vor sind allerdings die Mobiltelefonhersteller. "Mit 30 Millionen verkauften Geräten haben wir im Jahr 2000 im Grunde die Zuwächse von 2001 antizipiert. Im vergangenen Jahr wurden die Handys gekauft, in diesem Jahr wird telefoniert", erklärte Jung. Davon profitieren die Mobilfunkdienstleister mit einer Steigerung von 15 Prozent auf 36 Milliarden Mark. Im Jahr 2002 sollen sie dann Einnahmen von 40 Milliarden Mark einfahren.

Die größten Wachstumschancen sieht Bitkom bei den Internet- und Online-Diensten, die sich 2001 um 40 Prozent auf elf Milliarden Mark steigern sollen. Im nächsten Jahr rechnet der Verband mit einem Umsatz von 12,5 Milliarden Mark, was einem Wachstum von 20 Prozent entspricht.

Die Informationstechnik, die 2000 noch um neun Prozent auf 115 Milliarden Mark zulegte, wird in diesem Jahr nur noch um 4,9 Prozent auf 121 Milliarden Mark wachsen. Für 2002 gehen die Verbandsanalysten von einer Steigerung um 5,2 Prozent auf 127 Milliarden Mark aus. Gerade im Bereich mobile E-Business-Systeme für den Mittelstand sieht Bitkom ein großes Potenzial.

Die Einnahmen im Segment IT-Services werden 2001 um 10,1 Prozent auf 36 Milliarden Mark und im kommenden Jahr um 9,3 Prozent auf 40 Milliarden Mark wachsen. Im Bereich Software rechnet Bitkom in diesem Jahr mit einer Steigerung von 9,8 Prozent auf 32 Milliarden Mark. 2002 soll die Wachstumsrate dann bei 9,1 Prozent (35 Milliarden Mark) liegen. Der Hardwaresektor stagniert in diesem Jahr.

Zudem plädierte der Bitkom-Präsident dafür, die führende Position der Europäer und gerade auch der Deutschen im Bereich UMTS durch einen zügigen Aufbau der Mobilfunknetze zu festigen. Besorgt äußerte sich Jung jedoch zum emotionalen Umgang der Deutschen mit dem Thema "Elektrosmog" - den elektromagnetischen Strahlen, die von Leitungen, Geräten und Sendern ausgehen. Einerseits nutzen 80 Prozent der Deutschen ein Handy, andererseits gebe es örtlichen Widerstand gegen den Aufbau von Sendemasten. Dabei hätten Analysen unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation gezeigt, dass Mobiltelefone und deren Basisstationen sich nicht nachteilig auf die Gesundheit des Menschen auswirkten. Bitkom will nun vermehrt über wissenschaftlich fundierte Informationen für mehr Aufklärung sorgen.