Web

 

Bitkom: "Innovationsmotor ITK anlassen"

17.06.2005

STUTTGART (COMPUTERWOCHE) - Willi Berchtold, Präsident des Branchenverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), ist nachdrücklich für eine stärkere Bedeutung des Innovationsgedankens in Deutschland eingetreten. Auf einer Fachveranstaltung im Rahmen der Bitkom-Jahrestagung in Stuttgart sagte Berchtold, dass in vielen anderen volkswirtschaftlichen Branchen Innovationen ohne Einsatz der ITK-Technologie kaum noch denkbar seien. Als Beispiel verwies er auf die Automobilindustrie, wo rund 80 Prozent der neuen Produkte und Technologien auf der Informations- und Kommunikationstechnik basieren. Für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft sei daher die ITK-Branche besonders entscheidend, sagte Berchtold:: "Wir wollen den Innovationsmotor ITK anlassen".

Der scheidende Verbandspräsident verwies auf das prognostizierte Branchenwachstum von 3,4 Prozent im laufenden Jahr. Diese nach schwierigen Zeiten "ordentliche" Entwicklung gelte es zu nutzen, um eine Aufbruchstimmung für Wachstum und Innovation zu erzeugen. Vor allem an den technologischen Schnittstellen müssten Innovationen geschaffen werden: "Hier entstehen neue Produkte, und hier explodieren die Märkte", so Berchtold. Dies treffe speziell auf konvergierende Bereiche wie etwa das elektronische Gesundheitswesen, und die Verkehrstelematik zu.

Natürlich könne dies nicht gelingen, ohne die Rahmenbedingungen zu verbessern. Deutschland befinde sich derzeit "in einer Zange" zwischen asiatischen Hardwareherstellern und US-amerikanischen Softwareentwicklern. Das heimische ITK-Handelsbilanzdefizit belaufe sich Berchtold zufolge auf rund sieben Milliarden Euro pro Jahr. Die "staatlich verordnete Bürokratie", das "Arbeitsverhinderungerecht" sowie der fehlende Ingenieursnachwuchs würden die Situation für die heimischen ITK-Anbieter nicht erleichtern. "Wir brauchen eine integrierte Technologiepolitik", lautete Berchtolds Forderung nach einer "großen Innovationskoalition". Und: "Was gut ist für die ITK-Branche, ist auch gut für Deutschland".

Auch August-Wilhelm Scheer, Aufsichtsratschef der IDS Scheer AG und Bitkom-Präsidiumsmitglied, verwies auf die Bedeutung der technischen Konvergenz. "Innovation wird durch die Verschmelzung von Technologien getrieben". Allein eine gute Idee helfe jedoch nicht weiter - innovativ sei es, diese Idee auch unternehmerisch erfolgreich umzusetzen. Hier täten sich deutsche IT-Firmen schwer, denn die häufig anzutreffende Konzentration auf den Heimatmarkt sei langfristig nicht zu empfehlen: "Mit einem regionalen Erfolg kann man in einer globalen Wirtschaft nur schwer überleben", argumentierte Scheer. Allerdings sieht er noch einige Hindernisse auf dem Weg zu einer "Innovationsoffensive": "Dafür müssen wir in Deutschland viele heilige Kühe schlachten". (ajf)