Assange

"Bin in Deutschland von US-Agenten ausspioniert worden"

04.09.2013
Der Mitgründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, hat nach Informationen des NDR und der "Süddeutschen Zeitung" bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Strafanzeige erstattet.

Assange wirft einem Ex-Mitarbeiter des US-Marine Corps geheimdienstliche Agententätigkeit vor. Er soll ihn bei einem Kongress des Chaos Computer Clubs in Berlin ausspioniert haben. Die Mission des angeblichen US-Agenten soll dem Bericht zufolge öffentlich geworden sein, nachdem er im Juni dieses Jahres als Zeuge im Prozess gegen den Whistleblower Bradley Manning vor einem amerikanischen Militärgericht in Maryland aufgetreten sei. Manning wurde später zu 35 Jahren Haft verurteilt, weil er WikiLeaks rund 800.000 Geheimdokumente übergeben hatte. Der Ex-Soldat war eine Art Zeuge der Anklage der Militärstaatsanwälte.

Julian Assange lebt seit über einem Jahr in der Botschaft Ecuadors in London.
Julian Assange lebt seit über einem Jahr in der Botschaft Ecuadors in London.
Foto: Espen Moe

Der ehemalige Mitarbeiter des US-Marine Corps soll demnach von 2006 bis 2010 in Stuttgart stationiert und in Deutschland in militärische Nachrichtendiensttätigkeiten eingebunden gewesen sein. In diesem Zusammenhang habe er Assange auch auf dem Kongress des Chaos Computer Clubs im Jahr 2009 in Berlin im Visier gehabt. Assange hatte damals zusammen mit dem deutschen Computerspezialisten Daniel Domscheit-Berg das damals noch wenig bekannte Wikileaks-Projekt vorgestellt.

Der Geheimdienstmitarbeiter soll über seine Mission in Berlin einen Geheimbericht geschrieben haben, der bis heute als geheim klassifiziert sei, berichten NDR und "SZ" weiter. Assange habe in seiner Strafanzeige den Bundesanwälten angeboten, sich per Video zu dem Vorgang vernehmen zu lassen. Der Australier lebt derzeit in der Londoner Botschaft Ecuadors, in die er im Juni 2012 geflüchtet war, um nicht nach Schweden ausgeliefert zu werden. Schwedische Behörden ermitteln seit drei Jahren gegen Assange wegen Verdachts sexueller Delikte. Er bestreitet die Vorwürfe. (dpa/tc)