Web

 

"Big Bang": Lauter neue Drucker von HP

25.06.2002
HP ersetzt seine komplette Linie von Consumer-Druckern binnen sechs Monaten durch 50 kompaktere Modelle mit einheitlichen, kleineren Tintenpatronen und neuen Features für Hobby-Fotografen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - HP wird heute eine komplette Neuauflage seiner Multi-Milliarden-Dollar-Familie von Consumer-Druckern ankündigen. Im Rahmen der intern "Big Bang" getauften Aktion fliegen einem Bericht des "Wall Street Journal" die bisherigen Geräte aus dem Programm, die nur wenig mehr können als Papier einziehen und wieder ausgeben. Stattdessen gibt es metallicblau-silberne Neuheiten, die automatisch Bilder veredeln und erkennen können, ob man das richtige Papier verwendet. Viele der neuen Modelle, die in den USA zwischen 80 und 400 Dollar kosten sollen, sind mit rund 17 Seiten pro Minute auch einiges schneller als bisher (14 ppm).

Mehr als 50 neue Geräte sollen bis Anfang kommenden Jahres in den Handel kommen. Diese werden unter anderem auch deutlich kompakter daher kommen als bisherige HP-Drucker - unter anderem aufgrund der Tatsache, dass der Hersteller seine Tintenpatronen kleiner als bisher gestaltet hat. Neue Software soll vor allem diejenigen Nutzer ansprechen, die mit digitalen Fotos hantieren. Diese soll Belichtungs- und Farbfehler automatisch korrigieren. Viele der neuen Modelle verfügen außerdem über Spezialknöpfe, beispielsweise zum Ausdrucken einer Bildschirmkopie oder für den Abbruch des aktuellen Druckjobs, und Steckplätze für Speichermedien aus Digitalkameras.

Eine Portfolio-Überholung dieses Ausmaßes - HP hat nach eigenen Angaben rund 1,2 Milliarden Dollar investiert - benötigt das Unternehmen nach Einschätzung des Wirtschaftsblattes dringend, denn neben der Verdauung der 19 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Compaq schreibt es in fast allen Bereichen - inklusive PCs und Server - rote Zahlen. Rühmliche Ausnahme ist die Printing and Imaging Division mit mehr als 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Allerdings seien in diesem Bereich die Margen stetig gefallen, weil die Flut von Modellen Drucker mittlerweile in billige Alltagsgegenstände verwandelt habe. HP hofft, dass die Verbraucher nun auf leistungsfähigere Geräte umsteigen und dem Unternehmen in seiner kritischen Phase neuen Schub bescheren.

Jedoch kommt der Konzern mit seiner Runderneuerung möglicherweise ein wenig spät. Konkurrent Lexmark beispielsweise beackert den Markt schon seit geraumer Zeit mit Unter-200-Dollar-Geräten, die Fax und Scanner mit hoher Druckgeschwindigkeit (bis zu 21 Seiten gegenüber 17 von HP) kombinieren, und Features wie doppelte Einzugsschächte. Auch die Rivalen Canon und Seiko Epson zielen mit ihren Farbdruckern längst auf Hobbyfotografen und bieten teilweise Extras wie "Quiet Mode" oder kabelloses Drucken.

Ob HP auf die richtigen Features setzt, muss der Markt entscheiden. Laut Angele Boyd von der IDC interessieren sich Endkunden vor allem für drei Dinge: Geschwindigkeit, Preis und Zuverlässigkeit. Das neue Design und die Extra-Knöpfe der neuen HP-Drucker und deren Software seien zwar gefällig, verwandelten aber nicht notwendigerweise Shopper gleich in Käufer.

"Ist das ein großes Risiko? Absolut, und darum sind die Leute nervös", gesteht sogar Vyomesh Joshi, Chef des Bereichs Printing and Imaging. Er glaubt trotzdem an einen Erfolg. Bislang sei HPs Druckerfertigung zu wenig effektiv gewesen. Die neuen Geräte nutzten eine gemeinsame Technologieplattform sowie für alle Geräte passende Tintenpatronen und konsistente Software. Damit lassen sich laut Joshi die Fertigungskosten um ein Fünftel drücken, was sich nicht nur in HPs Bilanz, sondern auch in günstigeren Preisen für die Verbraucher niederschlagen werde. (tc)