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Für 121 Millionen Dollar

Best Buy schnappt sich Napster

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Zum wiederholten Male wechselt der Online-Musikdienst Napster den Besitzer. Die US-Handelskette Best Buy macht 121 Millionen Dollar dafür locker und will sich so neue Kundenkreise erschließen.

Der Kaufpreis (67 Millionen Dollar Bargeld und kurzfristige Anlagen in den Büchern von Napster eingerechnet) bewertet Napster mit 2,65 Dollar pro Aktie, fast doppelt so hoch wie der Schlusskurs von 1,36 Dollar vom vergangenen Freitag. Der Kauf soll im vierten Quartal abgeschlossen werden und umfasst Napsters 700.000 Kunden starken Abonnentenstamm, seine Web-basierende Kundendienst-Plattform sowie mobile Dienste.

Der Consumer-Electronics-Händler Best Buy engagiert sich seit einiger Zeit verstärkt im Bereich mobile Endgeräte. Er hat all seine US-Filialen inzwischen mit Handy-Abteilungen ausgestattet und investierte im Mai dieses Jahres satte 2,1 Milliarden Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem britischen Mobilfunkhändler Carphone Warehouse Group PLC.

Der Napster-Chef Chris Gorog (die frühere Roxio hatte die Markenrechte an der einst illegalen Tauschbörse aufgekauft und daraus einen legalen Download-Dienst gemacht) und die übrige Führungsmannschaft sollen im Amt und die Napster-Firmenzentrale in Los Angeles bleiben, berichtet das "Wall Street Journal".

Im vergangenen Mai hatte Napster begonnen, Songs im nicht DRM-beschränkten MP3-Format zu verkaufen, um sich besser im Wettbewerb gegen denn Marktführer Apple/iTunes und Amazon.com (verkauft ebenfalls MP3s) zu behaupten. Im Abonnement bietet Napster aber weiterhin auch DRM-Musik an.

Die Aktie von Best Buy gab im vorbörslichen Handel um 3,3 Prozent nach. Das dürfte aber weniger an der Napster-Ankündigung liegen als an den aktuellen Turbulenzen im US-Finanzsektor.