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Bearingpoint: Abrupter Abschied des Deutschland-Chefs

17.01.2006
Hendrik Ansink ist als Sprecher der Geschäftsführung der deutschen Bearingpoint-Filiale überraschend ausgeschieden.
Hendrik Ansink: Quelle: AmCham Germany
Hendrik Ansink: Quelle: AmCham Germany

Eine Sprecherin des Beratungshauses bestätigte die plötzliche Demission des Deutschland-Chefs in der zweiten Januar-Woche 2006 auf Anfrage der COMPUTERWOCHE, machte zu den Umständen jedoch keine Angaben. Auch Ansink selbst war zu einer Stellungnahme nicht bereit. Eine Nachfolgeregelung hat das Unternehmen bislang noch nicht getroffen. Stellvertretender Geschäftsführer ist Steffen Seeger, der als Executice Vice President auch die europaweiten Geschäfte verantwortet. Unternehmensnahen Quellen zufolge verlässt aber auch er ebenso wie andere Top-Manager das IT-Beratungshaus. Offiziell bestätigt wurde das Ausscheiden weiterer Führungskräfte bislang nicht.

Die US-amerikanische Muttergesellschaft Bearingpoint Inc. hat bereits seit geraumer Zeit große Probleme. Die Abkopplung von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG verlief nicht gut. Seit dem Börsenstart im Februar 2001 ist die Aktie unter Druck. Von ihrem Ausgabekurs von 18 Dollar ist sie weit entfernt, zurzeit beläuft sich ihr Wert auf etwas mehr als acht Dollar. Den Tiefstand verzeichnete sie im Mai vergangenen Jahres mit 4,64 Dollar.

Die Börse quittierte damit eine Reihe von peinlichen Pannen in dem Consulting-Haus: Projekte im wichtigen US-amerikanischen Behördengeschäft verliefen Mitte 2004 problematisch, der Umsatz brach ein und Bearingpoint rutschte zwischenzeitlich in die roten Zahlen. Im November 2004 verließ der CEO und Chairman Randolph Blazer das Unternehmen zunächst ohne Angabe von Gründen. Kurz darauf wurden Bilanzierungsfehler bekannt.

Im März 2005 schließlich gestand Bearingpoint gegenüber der US-amerikanischen Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ein, für das Jahr 2004 keinen testierten Abschluss vorlegen zu können, bis heute wurden dieser und alle folgenden Finanzberichte nicht veröffentlicht. Seit April 2005 ermittelt die SEC. Ein Delisting von der New York Stock Exchange (Nyse) ist voraussichtlich nicht mehr abzuwenden, denn spätestens 120 Tage nach Geschäftsjahresende muss der Jahresabschluss vorliegen. Analysten werfen dem Unternehmen vor, sich trotz der Börsennotierung nie von seiner herkömmlichen Partnerstruktur verabschiedet zu haben. (jha)