Ultrasicheres Rechenzentrum

Bastionhost baut Atomschutzbunker zur Datenfestung um

24.12.2008
Uli Ries ist freier Journalist in München.
Anzeige  Das kanadische Startup-Unternehmen Bastionhost steht kurz vor dem Kauf eines Atomschutzbunkers aus der Hochzeit des Kalten Krieges. In ihm soll ein extrem sicheres Rechenzentrum entstehen, in dem Unternehmen auch ihre eigene Hardware unterbringen können.
Bastionhost will in einem ehemaligen Atomschutzbunker der kanadischen Regierung ein Hochsicherheits-Rechenzentrum aufbauen.
Bastionhost will in einem ehemaligen Atomschutzbunker der kanadischen Regierung ein Hochsicherheits-Rechenzentrum aufbauen.
Foto: Bastionhost

Die Anlage ist ein so genannter "Diefenbunker" im kanadischen Neuschottland und befindet sich auf einem etwa 40,5 Hektar großen Grundstück, dass Bastionhost ebenfalls erworben haben will. Das Unternehmen rühmt den Standort für seine potentiell erstklassige Anbindung an europäische und nordamerikanische Datennetze, seine Anbindung an das sichere kanadische Stromnetz, seine seine gute Infrastruktur - Auto, Flugzeug, Schiff - und seine physische Sicherheit, die künftig durch Ex-Militärs sichergestellt werde soll. Außerdem führt Bastionhost an, dass europäische Anbieter so außerhalb der Reichweite der Regelungen des US-amerikanischen Patriot Acts Hosting-Lösungen in Nordamerika betreiben können. Bastionhost zufolge soll die Anlage in Debert künftig Teil einer Reihe von Datacentern sein, die das kanadische Unternehmen unter dem Namen Dataville zusammenfasst.

Die zweigeschossige Anlage in Neuschottland verfügt über eine Fläche von knapp 5.950 Quadratmetern. Der Kauf soll aber nicht nur den Bunker selbst, sondern auch diverse Oberflächenanlagen umschließen. Dazu gehört unter anderem eine rund 1.850 Quadratmeter große Halle, die wie der Bunker selbst gegen EMP abgesichert sein soll. Die Atomschlagsicherheit kann man wohl getrost abhaken, denn wenn heute wirklich Interkontinentalraketen in den Himmel steigen sollten, dann dürfte die Verfügbarkeit eines Web-Servers unser kleinstes Problem sein.

Errichtet wurder der Bunker In den frühen 60er Jahren von der kanadische Regierung, zusammen mit sieben weiteren Anlagen. Die Bunker sollte als zentrale und regionale Hauptquartiere die Regierung im Falle eines Atomkriegs schützen und ihre Funktion intakt halten. Ihren Spitznamen - Diefenbunker - erhielten die Anlagen in Anlehnung an den Namen des damaligen Premierministers John Diefenbaker von Mitgliedern der Opposition. Die Bunker verfügten über massive Zugangssicherungssysteme und umfangreiche Luftfiltersysteme, sollten einen Beinahetreffer einer Atomrakete überstehen und konnten Dutzende Menschen über Wochen hinweg mit frischem Wasser, Lebensmitteln und allem sonstigen Lebensnotwendigen versorgen.

Momentan ist der Diefenbunker jedoch nur eine technisch hoffnungslos veraltete Anlage, die lediglich ein gewisses Potential bietet. Bevor hier Rechenzentren gemietet oder untergestellt werden können, hat Bastionhost noch viel zu tun. Denn die komplette Anlage muss entkernt und neu ausgestattet werden. Keine luftfilternde Klimaanlage aus den 60er Jahren wird die Abwärme heutiger Rechenzentren bewältigen können - und diese Annahme geht bereits davon aus, dass sie überhaupt noch funktioniert. Genauso sieht es mit der Stromversorgung, den Sicherheitseinrichtungen und all den anderen Punkten aus, die ein modernes Rechenzentrum voraussetzt.

Wer sich bereits heute in eine derart abgeschirmte Anlage einmieten will, sei an Swiss Fort Knox verwiesen. Diese Hochsicherheitsanlage befindet sich in einem ehemaligen Gebirgsbunker der Schweizer Armee. Sie ist ebenfalls Atomschlag- und EMP-sicher, ist aber im Gegensatz zum kanadischen Diefenbunker bereits voll ausgebaut.