Konsolidierung unter Marktforschern

BARC und PAC fusionieren

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC haben sich zusammengeschlossen. Unter dem Dach der französischen Le CXP soll das größte europäische Beratungs- und Analystenhaus entstehen.

Mit der Fusion schließen sich ein auf Anwenderberatung und Produktbewertung fokussiertes Beratungsunternehmen (BARC) mit einem auf Business-Software und IT-Services spezialisiertes Analysten- und Consulting-Haus (PAC) zusammen. Formell wurde PAC von der Gruppe le CXP/BARC übernommen. Beide Seiten betonten im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE allerdings, dass es sich um einen freundlichen Zusammenschluss handele.

Carsten Bange, BARC: "Der europäische IT-Markt ist nicht homogen. Die IT in den Anwenderunternehmen wird von Land zu Land unterschiedlich genutzt."
Carsten Bange, BARC: "Der europäische IT-Markt ist nicht homogen. Die IT in den Anwenderunternehmen wird von Land zu Land unterschiedlich genutzt."
Foto: BARC

Ziel des Schulterschlusses ist es, ein Gegengewicht zu den US-amerikanischen Marktforschungs- und Analystenhäusern Gartner, IDC und Forrester Research zu schaffen. Gegenüber diesen Wettbewerbern will man mit lokalen Beratungsangeboten punkten. "Der europäische IT-Markt ist nicht homogen", schilderte Carsten Bange, Gründer und Geschäftsführer von BARC, die Herausforderungen. "Die IT in den Anwenderunternehmen wird von Land zu Land unterschiedlich genutzt."

Dennoch sei der länderübergreifende Blickwinkel von Bedeutung, um internationale Trends und Anforderungen besser zu erkennen und zu verstehen. Hier sei man gegenüber den nationalen Beratungshäusern - in Deutschland sind dies etwa Techconsult, Lünendonk und die Experton Group - im Vorteil: "Ihnen fehlt die europäische Präsenz", betonte Klaus Holzhauser, Geschäftsführer der PAC GmbH in Deutschland.

BARC und CXP: Anwenderberatung im Fokus

Foto: Le CXP

Das Business Application Research Center (BARC) aus Würzburg konzentriert sich seit seiner Gründung im Jahr 1994 darauf, Anwender bei der Entscheidungsfindung zu unterstützten, wenn sie vor Anschaffungen in den Bereichen ECM (Enterprise Content Management) und BI (Business Intelligence) stehen. BARC unterhält Niederlassungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien mit rund 20 Analysten.

Es hatte sich im Jahr 2011 mit der französischen Le CXP zusammengetan, die eine ähnliche Ausrichtung hat, aber bezogen auf die Themen deutlich breiter aufgestellt ist und etwa auch ERP- und CRM-Bewertungen im Portfolio führt. Le CXP hatte sich bislang vornehmlich auf Anwenderunternehmen aus dem französischen Sprachraum fokussiert.

Das bisherige Portfolio der CXP/BARC-Gruppe umfasst Research (vergleichende Studien, Research Reports und Marktanalysen) sowie Beratungsleistungen auf den Gebieten IT-Strategie, IT-Architektur, Softwareauswahl und Audits von IT-Systemen.

PAC: Konzentration auf Markt-Research und Anbieterberatung

Foto: PAC

Das Analystenhaus Pierre Audoin Consultants (PAC) konzentriert sich dagegen stärker auf Erhebungen in den Märkten für Business-Software und IT-Services. In diesen Segmenten berät man Anbieterunternehmen hinsichtlich Marktstrategie und Business-Development. PAC ist ein französisches Unternehmen mit einer sehr starken Präsenz in Deutschland sowie weiteren Auslandsniederlassungen in Europa und den USA. Zentrales Element im PAC-Portfolio ist die Research-Plattform SITSI, auf deren Basis das Analystenhaus individuelle Beratungsprojekten vor allem in der europäischen IT-Services-Industrie betreibt. In Deutschland arbeiten 25 Analysten für PAC.

CXP Group tritt gegen Gartner, IDC und Forrester an

Nach dem Zusammenschluss werden BARC, PAC und le CXP unter dem Dach der neuen "CXP Group" firmieren, ihre jeweiligen Markennamen in der bisherigen Form aber weiterführen. Bis Ende des Jahres soll darüber hinaus ein neuer Markennamen eingeführt werden, der sich mittelfristig etablieren soll.

Die fusionierte Gruppe beschäftigt 140 Mitarbeiter an 17 Standorten in acht Ländern und unterstützt jährlich über 1.500 Unternehmen bei der Auswahl und der Optimierung von IT-Lösungen. Die Gruppe ist damit eigenen Angaben zufolge das größte europäische Analysten- und Beratungshaus für Anwendungssoftware- und IT-Dienstleistungen. Geführt wird sie von einem vierköpfigen Gremium. Zwei Mitglieder kommen von le CXP, jeweils ein Vertreter wird von BARC sowie PAC gestellt.

Die künftige Ausrichtung sieht drei Standbeine vor:

  • Das klassische Studien- und Research-Programm soll künftig besser aufeinander abgestimmt werden. Ein erstes Vorhaben sieht etwa vor, den PAC-Radar zur Bewertung von Service-Providern im Bereich Business Intelligence (BI) anzuwenden.

  • Das vor allem von BARC und CXP betriebene Event-Geschäft wird um PAC-Elemente ergänzt. Eine im Juni geplante Veranstaltung mit 300 französischen Entscheidern wird beispielweise schon maßgeblich von PAC-Analysten mitgestaltet.

  • Die Beratung von Anwendern und Anbietern soll auf eine end-to-end-Betreuung ausgeweitet werden. So können die BARC-Consultants ihren Kunden mit Hilfe der PAC-Datenbank Einblicke in die Leistungsfähigkeit derjenigen Provider bieten, die Business-Software in Anwenderunternehmen implementieren. "Für Anwender ist außerdem PACs Datenbank mit den Tagessätzen der IT-Berater sehr wertvoll", schilderte BARC-Manager Bange mögliche Synergien. Umgekehrt können die PAC-Consultants in der Provider-Beratung auf Informationen von BARC und CXP zugreifen, die Einblicke in die Anforderungen und Wünsche der Anwender gewähren.

Klaus Holzhauser, PAC: "Das Management-Team von PAC hat den Zusammenschluss vorangetrieben, weil daraus der europäische Leader in diesem Markt hervorgeht."
Klaus Holzhauser, PAC: "Das Management-Team von PAC hat den Zusammenschluss vorangetrieben, weil daraus der europäische Leader in diesem Markt hervorgeht."
Foto: PAC

"Das Management-Team von PAC hat den Zusammenschluss vorangetrieben, weil daraus der europäische Leader in diesem Markt hervorgeht", erläuterte Holzhauser den Beweggrund. "Die beiden Unternehmen ergänzen sich, indem sie die Anwender- und die Anbieterseite miteinander verbinden."

Thematisch haben die Partner ihre Stärken in Projekten mit der softwaregestützten Gestaltung von Unternehmensprozessen, also überall dort, wo Abläufe mit Hilfe von Business-Software und Betriebsdiensten wie Outsourcing und BPO (Business Process Outsourcing) optimiert werden sollen.

Angesichts der zunehmenden Digitalisierung der Geschäftsmodelle in den Anwenderunternehmen muss das Angebot der Gruppe aber intensiver in Richtung SMAC-Stack weiterentwickelt werden (Social Media, Mobility, Analytics, Cloud Computing). "Die Querschnittsthemen und Branchenlösungen werden immer wichtiger", räumte Bange ein. "Wir haben mit der Bündelung unserer Portfolios gute Möglichkeiten, die Anforderungen abzubilden."