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Badoo und Co wollen mit Gratis-Flirts Geld verdienen

03.11.2011
Millionen Deutsche suchen online nach der großen Liebe oder einer schnellen Nummer.
Aufwendiges Profil-Matching? Nicht bei Badoo...
Aufwendiges Profil-Matching? Nicht bei Badoo...

Kuppel-Hilfe versprechen Partnerbörsen und Single-Treffs im Internet - meist gegen Gebühren, die durchaus 30 oder 50 Euro im Monat betragen können. Zwei Portale wollen nun den Markt aufmischen: mit Flirts, die zumindest auf den ersten Blick nichts kosten. Auch ein Startup aus Hamburg hofft, mit diesem Modell über einen Umweg satte Renditen einzufahren. Als Investor ist die Fernseh-Kette ProSiebenSat.1 an Bord.

Erst zahlen, dann flirten, heißt auf vielen Flirtportalen die Devise. Der Branche ist es gelungen, den Nutzern die oft im Netz vorherrschende Gratis-Mentalität auszutreiben. 175 Millionen Euro werde die Kuppel-Branche 2011 allein in Deutschland umsetzen, prognostiziert das Vergleichsportal online-partnersuche.de - ein lukratives Geschäft.

Doch neben den Singlebörsen, wo sich zahlende Nutzer mit Profil und Foto präsentieren, etablieren sich neue Anbieter mit anderen Geschäftsmodellen. Sie verlangen keine Abogebühren und finanzieren sich nicht allein über Werbung, sondern nehmen stattdessen für bestimmte Sonderleistungen Geld.

Vorgemacht hat es Badoo: 2006 gegründet, hat es heute nach eigenen Angaben knapp 129 Millionen Nutzer in 180 Ländern. Auch wenn nicht jedes Profil echt sein sollte, ist diese Zahl enorm - zumal sich jeden Tag rund 140 000 Flirtwillige neu registrieren. In Deutschland besuchen die Plattform laut Google AdPlanner monatlich 2,6 Millionen Nutzer.

Psychologische Tests und Profilabgleiche, wie klassische Partnerbörsen sie anbieten, gibt es bei Badoo nicht. "Es geht eindeutig um das Kennenlernen bislang unbekannter Singles", sagt Marcel Kollmar, Chefredakteur von online-partnersuche.de. Es handle sich um eine "Flirt- und Chatplattform für ein jüngeres Publikum mit einer sexy Bildsprache". Die deutsche Ausgabe des Computermagazins "Wired" schrieb gar, Badoo sei "kein soziales, sondern ein sexuelles Netzwerk, in dem es vor allem um das eine geht: Junge trifft Mädchen, Mädchen trifft Junge, Punkt, Punkt, Punkt."

Badoo setzt auf ein Geschäftsmodell, das in der Computerspiel-Branche für Furore sorgt. Die Basisversion des Dienstes ist gratis: Jeder kann ein Profil anlegen, Bilder hochladen, chatten und andere bewerten. Damit stoßen entdeckungsfreundige Nutzer aber schnell an ihre Grenzen. Wer sich beliebige Profile ansehen oder sein Foto gut sichtbar platzieren will, muss zahlen. Badoo preist dafür seine "Super Powers" an, die im Quartal knapp 20 Euro kosten.

Das Kalkül: Wenn aus der Masse der Nutzer nur ein paar Geld ausgeben, kommt eine stattliche Summe zusammen. Manch einer gibt auf Dauer sogar mehr aus als in einem Portal mit Abogebühr. Bei Badoo scheint das jedenfalls zu funktionieren: Der Umsatz liegt bei rund 100 Millionen Dollar pro Jahr. Der Gründer Andrey Andreev prahlt damit, dass die Investoren aus dem Silicon Valley bei ihm Schlange stehen.

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Auf den Spuren von Badoo ist MeetOne, ein Start-up aus Hamburg. Dass die Macher ebenfalls auf das Gratis-Modell setzen, kommt nicht von ungefähr: Geschäftsführerin Mila Sukhareva war beim in Hamburg ansässigen Spieleanbieter Bigpoint tätig. Zu den ersten Investoren gehört Heiko Hubertz, Gründer des weltweit agierenden Unternehmens, das erfolgreich auf das "free-to-play"-Modell setzt.

MeetOne versucht, nicht als reine Baggerbörse dazustehen. "Es gibt Millionen Singles, die auf der Suche nach einem Partner das Internet nutzen. Aber noch mehr wollen einfach nur Leute kennenlernen", sagt Mitgründer Nils-Holger Henning, ebenfalls ein langjähriger Bigpoint-Manager. "Wir haben einen viel weiteren Markt im Blick." Also auch Leute, die nur einen Jogging-Partner suchen. Einen virtuellen Diamantring als Geschenk an den oder die Verehrte gibt es natürlich trotzdem.

Seit dem Start vor sechs Monaten haben sich rund 200.000 Nutzer registriert, binnen zwölf Monaten will die Plattform zwei Millionen Mitglieder haben. Und ein neuer Geldgeber soll helfen, die Marke bekannter zu machen: Die TV-Kette ProSiebenSat.1 hat über ihre Tochter Seven Ventures 29 Prozent der Firma übernommen. Das Investment dürfte im Millionenbereich liegen. Einen Teil davon bezahlt der Konzern mit Werbespots. Das soll MeetOne helfen, die kritische Masse zu erreichen - damit das Gratis-Modell Umsatz abwirft. (dpa/tc)