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Aufspaltung: Freenet geht auf Drillisch zu

24.08.2007
Der Plan: Freenet verkauft das DSL-Geschäft und fusioniert seine Mobilfunksparte mit Drillisch.

Freenet-Chef Eckhard Spoerr (Foto) will den neuen Hauptaktionär Drillisch in den Verkaufprozess für den Telefonanbieter einbinden. "Sobald Drillisch im Besitz des Aktienpakets ist, werden wir in einen konstruktiven Dialog treten", sagte Spoerr am Donnerstag in Hamburg der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Bislang hatte Spoerr Gespräche mit Drillisch-Chef Paschalis Choulidis abgelehnt. Drillisch hatte am Mittwoch eine Aufstockung seiner Beteiligung von 10,1 auf 28,6 Prozent bekannt gegeben. Verkäufer ist die Investmentfirma Vatas, bei der der einstige Vorzeigeunternehmer Lars Windhorst Geschäftsführer ist. Vatas lehnte einen Kommentar zum Rückzug ab.

Drillisch erhöht mit dem Kauf des Aktienpakets den Druck auf die Freenet-Führung, sich von dem DSL-Geschäft zu trennen. Im Gegenzug soll Freenet den Mobilfunkprovider Drillisch übernehmen. Unter dem Dach der norddeutschen Gesellschaft soll der zweitgrößte Zwischenhändler für Handy-Verträge nach Debitel entstehen, der die Verlustvorträge der Freenet-Vorläufergesellschaft Mobilcom nutzen kann. Drillisch wollte sich am Donnerstag zu der Anteilsaufstockung nicht äußern.

Spoerr schloss eine Übernahme des kleineren Rivalen nicht aus: "Wir werden unsere strategische Prüfung fortsetzen", sagte er. Die Investmentgesellschaft Morgan Stanley sucht derzeit einen Käufer für die Gesellschaft. Anfänglich hatte sich Spoerr nur für einen Komplettverkauf ausgesprochen, musste dies aber wegen mangelnder möglicher Käufer aufgeben. Mittlerweile hält er einen Verkauf in Teilen für möglich. Neben dem Handy-Geschäft ist Freenet im DSL- und Webhosting-Bereich aktiv.

Drillisch-Chef Choulidis hatte in den vergangenen Monaten wiederholt massive Kritik an der Arbeit von Spoerr geäußert. So hatte er den Freenet-Chef als "Neuling" im Mobilfunkgeschäft bezeichnet. Einen Rücktritt lehnte Spoerr indes ab: "Ich denke, dass man nicht nach hinten blicken sollte, sondern nach vorne." Er sehe kein Problem für eine konstruktive Zusammenarbeit. (dpa/ajf)