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Lastmessage

Auch online sozialverträglich sterben

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Oliver Wolfs Web-Service lastmessage.de bietet die posthume Löschung von Social-Media-Profilen samt Nachruf an. Eine echte Grenzerfahrung.

CW: Nachrichten aus dem Grab boten schon Stoff für manche Horrorfilme. Warum also erst jetzt auch online?

WOLF: Unser Leben verlagert sich zunehmend auch in die digitale Welt. Insofern ist es nur eine logische und zeitgemäße Konsequenz, dass eine Art Nachruf auch hier stattfindet, um diese Kontakte zu informieren. Wenn ich in der "Offline-Welt" eine Sterbeanzeige lese oder einen Brief erhalte, der mich über den Tod eines guten Freundes informiert, hat das für mich noch lange nichts mit Horrorfilmen zu tun. Dieses Verständnis wird sich auch online durchsetzen.

CW: Wie kamen Sie auf die Idee, lastmessage zu gründen?

Ein Beinahe-Flugzeugabsturz brachte Oliver Wolf zur Gründung von lastmessage.
Ein Beinahe-Flugzeugabsturz brachte Oliver Wolf zur Gründung von lastmessage.

WOLF: Vor einigen Wochen saß ich in einem Flugzeug, das nach einem Blitzschlag in eine Tragfläche notlanden musste. Die Situation an Bord war sehr angespannt. Einige Passagiere versuchten, über ihre Mobiltelefone eine SMS, eine Facebook-Statusmeldung oder einen Anruf an Freunde abzusenden, was mangels Empfang jedoch scheiterte. Diese Grenzerfahrung hat mir verdeutlicht, wie unvorhersehbar manche Ereignisse stattfinden. Ich machte mir darüber Gedanken, was hätte passieren können und auch darüber, wann und wie meine Freunde und Partner in Social Communities wohl davon erfahren hätten.

CW: Wie erfahren Sie selbst vom Ableben Ihrer Kunden?

WOLF: Die Kunden von lastmessage erhalten ein Dokument, das sie zu ihren wichtigen Unterlagen wie Versicherungspolicen, Testament etc. ablegen. Es enthält alle Informationen, die es Angehörigen, Pflegern oder Behörden erlauben, lastmessage vom Tod in Kenntnis zu setzen. Wir bieten quasi eine Art Backup-Lösung für den Ernstfall, den man nie genau vorhersagen kann.

CW: Ihre Idee ist makaber und innovativ zugleich. Oder?

WOLF: Ganz ehrlich? Ich denke weder noch! Durch lastmessage werden Online-Kontakte über das Ableben benachrichtigt und im Anschluss die Benutzerprofile geschlossen. Die Grundidee dahinter ist keine neue, sondern eher eine Weiterentwicklung dessen, was es ohnehin schon immer gab.

CW: Ihre ersten Kundenerfahrungen?

WOLF: Leider gibt es für Dienste wie lastmessage keine Zufriedenheitsbefragung, mit der wir die Erfahrungen unserer Kunden im Nachhinein erfassen oder bewerten könnten. Unsere Kunden können sich jedoch sicher sein, dass lastmessage stets exakt nach ihren vorab erteilten Anweisungen handelt und alles genau so erledigt wird, wie sie es definiert haben.