Was die Klinikleitung von der IT erwartet

Auch Krankenhäuser brauchen ein CRM

Karin Quack ist als leitende Computerwoche Redakteurin für Themen rund um das IT-Management verantwortlich. Sie steht in engem Kontakt zu den CIOs und weiß, wo sie der Schuh drückt. Privat interessiert sich Quack für den Fußball - vor allem der FC Barcelona hat es ihr angetan.
"Die Rolle der IT für die Unternehmensstrategie" - unter diesem Titel stellte Dirk Albrecht, Sprecher der Geschäftsleitung der Contilia GmbH, Essen, auf der diesjährigen "ConhIT" (Connecting Healthcare IT) in Berlin vor, was er als interner Kunde von seinem IT-Bereich erwartet. Einer der fünf Punkte auf seiner To-do-Liste ist die Forderung nach einem Kunden-Management für die Klinik.

Contilia ist ein Healthcare- und Pflegeverbund, der sich aus elf Einrichtungen für die Seniorenversorgung, drei Klinikkomplexen und mehreren Stiftungen zusammensetzt. Konstrukte dieser Art sind typisch für die deutsche Kliniklandschaft, die einerseits kleinteilig ist, andererseits aber einen Hang zur Konsolidierung zeigt. "In den Ballungsgebieten herrscht hoher Verdrängungswettbewerb", erläuterte Contilia-Vorstand Albrecht: "Vordergründig geht es dabei um Qualität, in Wirklichkeit herrscht Preiskampf."

"Manch ein Prozess lässt sich quasi nach dem Ikea-Prinzip teilweise an den Patienten auslagern." Dirk Albrecht, Sprecher der Geschäftsführung, Contilia GmbH
"Manch ein Prozess lässt sich quasi nach dem Ikea-Prinzip teilweise an den Patienten auslagern." Dirk Albrecht, Sprecher der Geschäftsführung, Contilia GmbH
Foto: Messe Berlin/CohnIT

Die Konzentrationstendenz auf dem Markt diene dazu, Mengen- und damit Effizienzvorteile zu schaffen. So kämen eben immer neue Partner zusammen - mitsamt ihrer Informationstechnik: "Man wählt den Partner zwar nicht nach der IT aus, aber sobald man miteinander zu arbeiten beginnt, spielt IT eine Rolle."

Dabei muss IT vor allem die Effizienz des Klinikbetriebs steigern. Denn die Preise in den deutschen Einrichtugnen sind laut Albrecht im internationalen Vergleich "dramatisch niedrig", und die durchschnittliche Verweildauer der Patienten in Nordrhein-Westfalen sei von 1995 bis 2012 um rund 40 Prozent gesunken.

Vor diesem Hintergrund hat die Klinik-IT aus Albrechts Sicht vor allem fünf Aufgaben zu erfüllen. Gefragt sind Systeme für:

1. Unternehmenssteuerung: Wie andere Geschäftsführer will auch Albrecht ein Management-Informationssystem, das ihm die relevaten Kennzahlen liefert und unkompliziert zu bedienen ist.

2. Kunden-Management: "Im Verdrängungswettbewerb ist das entscheidend", sagte Albrecht. Das sei zwar eigentlich ein Thema für den Chefarzt, aber der brauche "strukturierte Hilfestellung".

3. Personal-Management: Angesichts des Fachkräftemangels müsse Personalentwicklung "noch systematischer" betrieben werden.

4. Primäre Leistungsprozesse: Hier steckten die meisten Effizienzreserven drin, so Albrecht. Beispielsweise gebe es Möglichkeiten, Aufgaben "quasi nach dem Ikea-Prinzip" teilweise an den Patienten auszulagern.

5. Medizinische Sekundärprozesse: Labor, Pathologie und Radiologie benötigen ebenfalls IT-Unterstützung. Hier seien die Krankenhäuser sogar häufig schon weiter als in ihren Primärprozessen, hat Albrecht festgestellt.

Wegen der Bedeutung der IT für "alle relevanten Prozesse im Krankenhaus" hält der Contilia-Geschäftsführer es für erforderlich, die IT-Verantwortlichen in die Unternehmensentwicklung einzubinden. Das sei allerdings "keine hierarchische Frage", sondern eine der Kommunikation.