Outsourcing

Auch in Europa schrumpft der Markt

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Gefragt sind nur noch kleine IT-Auslagerungsverträge, um in der Rezession zeitnah die Kosten zu senken.

Der Outsourcing-Markt schrumpft jetzt auch in Europa. Nach Angaben der Beratungsfirma TPI lag der Gesamtvertragswert aller in Emea (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) unterzeichneten Deals über 20 Millionen Euro im ersten Quartal 2009 nur noch bei gut sieben Milliarden Euro. Das ist 14 Prozent weniger als im vierten Quartal 2008 und 44 Prozent weniger als gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Kleine Outsourcing-Deals liegen weiter im Trend: Während die Anzahl der Verträge leicht anstieg, sank der durchschnittliche Gesamtvertragswert um 29 Prozent auf 105 Millionen Euro. Bernd Schaefer, Partner und Managing Director bei TPI, führt dies in erster Linie auf taktische Maßnahmen der Anwender zurück, die vorrangig auf Kostensenkung abzielten. Mit einer Aufhellung der konjunkturellen Aussichten sei aber wieder mit größeren Vertragsabschlüssen zu rechnen, "speziell in den weniger reifen Märkten in Kontinentaleuropa."

Der sich weltweit schon seit dem dritten und vierten Quartal 2008 abzeichnende Abwärtstrend hält an. So wurden im ersten Quartal 141 Verträge mit einem Gesamtwert von 15,4 Milliarden Euro abgeschlossen. Aber auch Europa leidet unter dem Ausbleiben der großen Verträge.

Der BPO-Markt (Business Process Outsourcing) in Emea geht bereits seit drei aufeinander folgenden Quartalen zurück. Der Gesamtvertragswert sank um 54 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem in den Bereichen Facilities-Management und Financial Services verzeichnet TPI eine geringere Nachfrage.

Einen Anstieg der Outsourcing-Aktivitäten registrieren die Experten im Telekommunikations- und Konsumgütermarkt. Die Zahl der weltweit an TK-Unternehmen vergebenen Aufträge erreichte den höchsten Stand seit 1999. Wertmäßig entfielen 46 Prozent aller in den letzten zwölf Monaten in Emea unterzeichneten Deals auf diese Branche. Mehr als die Hälfte wurden mit britischen Unternehmen abgeschlossen. Auf den Konsumgütersektor entfielen wertmäßig 56 Prozent aller in Emea abgeschlossenen Verträge. Von diesen wurden 43 Prozent mit deutschen Firmen unterzeichnet.

Auch wenn die Provider von einer stabilen Auftragslage sprechen, "die jüngsten Erfahrungen zeigen, dass bis zum tatsächlichen Vertragsabschluss eine längere Zeit vergeht", fasst Schaefer zusammen. "Für die nächsten Quartale erwarten wir, dass der Trend zu kleineren Verträgen zunehmen wird." Andererseits sei damit zu rechnen, dass sich die Emea-Märkte auf dem Niveau des Vorjahres stabilisiere.