Web

 

Atos Origin hat Verdauungsprobleme

11.03.2004

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Atos Origin steht nach einem hohen Nettoverlust im Geschäftsjahr 2003 unter Druck, die 1,28 Milliarden Euro schwere Übernahme des Kerngeschäfts IT-Services von Schlumberger Sema erfolgreich umzusetzen. Der französische IT-Dienstleister verbuchte 2003 einen Nettoverlust von 169 Millionen Euro, verglichen mit einem Überschuss von 71 Millionen Euro im Vorjahr. Schuld an dem Debakel war in erster Linie eine Wertberichtigung von 225 Millionen Euro im Zusammenhang mit den im September 2002 für 657 Millionen Euro erworbenen britischen und niederländischen Ablegern von KPMG Consulting.

Diese Sondereffekte ausgeklammert, verbesserte sich der (Pro-forma-)Profit um vier Prozent auf 114 Millionen Euro. Im Zuge der Übernahme konnte Atos Origin zwar seine Consulting-Erlöse mit 363 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Wegen der schwachen Nachfrage in den Bereichen Systemintegration und Managed Operations fiel der Gesamtumsatz jedoch mit 3,04 Milliarden Euro leicht unter Vorjahresniveau aus, die operative Gewinnspanne sank von 8,7 auf 8,2 Prozent.

Die Schulden konnte Atos Origin bis Jahresende 2003 von 440 Millionen auf 266 Millionen Euro senken. Im Zuge der Sema-Übernahme erhöhten sich die Verbindlichkeiten Anfang Januar jedoch auf 720 Millionen Euro. CEO Bernard Bourigeaud ist aber zuversichtlich, die Schuldenlast bis Jahresende auf unter 600 Millionen Euro zu drücken. So plant der Konzernchef, die operative Gewinnspanne des Gemeinschaftsunternehmens von sechs auf sieben Prozent zu steigern. Bei den Einnahmen verspricht sich Bourigeaud 2004 keine gravierenden Veränderungen, da sich der Markt für IT-Services insbesondere in Europa nur langsam erholt.

Mit 5,41 Milliarden Euro Jahresumsatz wird die neue Atos Origin aber voraussichtlich Konkurrenten wie Unisys, SBS, Getronics hinter sich lassen und zum weltweit elftgrößten IT-Dienstleister aufsteigen. Gleichzeitig kommt der Konzern damit seinem schärfsten Konkurrenten in Frankreich, Cap Gemini Ernst & Young, gefährlich nahe. Das größte europäische IT-Beratungs- und –Serviceunternehmen verbuchte 2003 einen Umsatzrückgang um 18 Prozent von 7,05 Milliarden auf 5,75 Milliarden Euro, hofft jedoch in diesem Jahr über das Outsourcing-Geschäft wieder zu wachsen. (mb)