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AOL dünnt Netscape-Mannschaft aus

16.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - America Online (AOL) hat rund 50 Entwickler entlassen, die bislang bei der Firmentochter Netscape an der Browser-Entwicklung werkelten. Die meisten der Betroffenen dürften allerdings neue Jobs bei der neu gegründeten Mozilla Foundation finden. Diese nichtkommerzielle Organisation wurde ins Leben gerufen, um Browser und E-Mail-Client der Open-Source-Initiative Mozilla.org benutzerfreundlicher zu machen und zu supporten. Finanziert wird die Stiftung mit zwei Millionen Dollar von AOL sowie 300.000 Dollar aus der Privatschatulle von Lotus-Gründer Mitch Kapor.

Bei Netscape arbeiteten vor den Entlassungen noch mehr als 500 Mitarbeiter. Die Zukunft der Firma steht allerdings zunehmend in Frage, spätestens seit AOL mit Microsoft eine weit reichende Vereinbarung getroffen hat, in den kommenden Jahren für seinen Online-Dienst standardmäßig den Internet Explorer des Redmonder Konzerns zu verwenden (Computerwoche online berichtete).

Unklar ist auch, wie es um die Zukunft von Mozilla bestellt ist. Zwar haben dessen weltweit verstreute Entwickler mit "Gecko" eine anerkannt gute Rendering-Engine geschaffen, jedoch leidet die Performance des Clients seit geraumer Zeit unter der plattformübergreifenden Entwicklung. Für kommende Releases sieht eine neue Roadmap deswegen vor, dass schlanke und schnelle separate Browser und Mail-Clients entwickelt werden sollen, die sich an aktuellen Web-Standards orientieren.

Ohnehin sind Mozilla und das darauf basierende Netscape inwzischen auf lächerlich geringe Marktanteile abgerutscht, die überwiegende Mehrheit surft mit Microsofts Browser durchs Netz. Allerdings hat die Gates-Firma angekündigt, ihren Browser nicht mehr standalone, sondern nur mehr im Rahmen neuer Betriebssystemversionen weiterzuentwickeln. Das könnte alternativen Seitenbetrachtern - dazu gehört auch das norwegische Opera - neuen Zulauf bescheren. (tc)