CFO Seifert Interimschef

AMD schasst CEO Dirk Meyer

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Dirk Meyer muss sich einen neuen Job suchen - und sein bisheriger Arbeitgeber Advanced Micro Devices (AMD) einen neuen CEO.
Dirk Meyer hatte offenbar nicht mehr das Vertrauen des AMD-Verwaltungsrats.
Dirk Meyer hatte offenbar nicht mehr das Vertrauen des AMD-Verwaltungsrats.
Foto: AMD

Dirk Meyer (49) habe seine Ämter als President, CEO und Director von AMD mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte AMD gestern nach US-Börsenschluss mit. Der Verwaltungsrat habe den von Qimonda geholten Finanzchef Thomas Seifert (47) übergangsweise zum Firmenchef ernannt. Ein Komitee unter Leitung von Bruce Claflin, der gleichzeitig zum Executive Chairman of the Board ernannt wurde, soll einen geeigneten Nachfolger für Meyer finden. Seifert habe ausdrücklich betont, dass er dafür nicht in Betracht gezogen werden wolle.

Claflins Stellungnahme zu Meyers Abgang liest sich wie "der Mohr hat seine Schuldigkeit getan": "Dirk wurde in schwierigen Zeiten CEO. Er hat AMD erfolgreich stabilisiert und gleichzeitig wichtige Initiativen wie den Start von Globalfoundries, die erfolgreiche Beilegung unserer Rechtsstreite mit Intel und die Auslieferung unserer Fusion-APUs an den Mark vorangetrieben", erklärte der Verwaltungsratsvorsitzende. Das Board gehe aber davon aus, dass AMD seinen Shareholder Value noch deutlich steigern könne. Dafür brauche das Unternehmen signifikantes Wachstum, müsse Marktführerschaft erreichen und überlegene finanzielle Returns abliefern. "Wir glauben, dass ein Führungswechsel zum jetzigen Zeitpunkt die Möglichkeiten des Unternehmens verbessert, diese Ziele zu erreichen."

Das "Wall Street Journal" schreibt, Meyer habe wohl deswegen gehen müssen, weil er aus Sicht des Boards nicht schnell genug dafür sorgte, die Marktposition von AMD in Segmenten wie Server und Tablets zu verbessern. Insgesamt sei die Demission aber branchenweit mit Überraschung aufgenommen worden. Das Blatt zitiert unter anderem den AMD-Mitgründer und früheren CEO Jerry Sanders mit der Aussage, der Rausschmiss sei "beschämend". "Sie verstehen einfach das Business nicht", so Sanders über den Verwaltungsrat. "Sie suchen nach irgendeiner silbernen Kugel, um einen Markt zu entdecken, in dem sie nicht mit Intel konkurrieren."

Meyer war seit 15 Jahren bei AMD. Der Chipingenieur war zunächst von 2006 bis 2008 Chief Operating Officer und wurde dann 2008 CEO als Nachfolger von Hector Ruiz. Auch der weiß nicht, warum Meyer nun gehen muss. "Ich habe ihn als meinen Nachfolger ausgewählt", sagte Ruiz dem "WSJ". "Das kommt sehr überraschend."

AMD gab gleichzeitig vorab einige Zahlen zum vierten Quartal 2010 bekannt. Der Umsatz sei bei einer Bruttomarge von um die 45 Prozent gegenüber dem Vorquartal um zwei Prozent auf 1,65 Milliarden Dollar gestiegen. Gleichzeitig bestätigte AMD seine Prognose für das Geschäftsjahr 2011, die im vergangenen November beim Financial Analyst Day präsentiert worden war. Die vollständigen Quartalszahlen werden am 20. Januar veröffentlicht.