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Weiter Wachstum um (fast) jeden Preis

Amazon verdient zu Weihnachten bescheiden

30.01.2013
Amazon erkauft sich sein schnelles Wachstum weiterhin mit dünnen Gewinnen.
Amazon-Chef Jeff Bezos setzt weiter auf Wachstum statt Gewinn - und den Anlegern gefällt das.
Amazon-Chef Jeff Bezos setzt weiter auf Wachstum statt Gewinn - und den Anlegern gefällt das.
Foto: Amazon.com

Der weltgrößte Einzelhändler verdiente im Schlussquartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft unterm Strich 97 Millionen Dollar (umgerechnet 72 Millionen Euro) und damit nur etwa halb so viel wie im Vorjahreszeitraum. Dabei war der Umsatz um 22 Prozent auf 21,27 Milliarden Dollar gestiegen, wie Amazon am Dienstag nach Börsenschluss mitteilte.

Amazon fährt eine riskante Wachstumsstrategie: Günstige Preise, ein schneller und oft kostenloser Versand sowie neue Produkte sollen die Kunden anlocken. Das sichert Marktanteile gegenüber anderen Onlinehändlern und setzt die Konkurrenten mit stationären Läden unter Druck. Gleichzeitig bekommt Amazon wegen der hohen Investitionen etwa in neue Logistikzentren sowie der mageren Gewinnspannen bei vielen Artikeln aber kaum etwas heraus.

Es ist eine Wette auf die Zukunft, die Firmenchef Jeff Bezos eingeht. Und sie zahlt sich in Teilen schon heute aus. So war Amazon eine treibende Kraft hinter elektronischen Büchern. "Wir sehen nun den Wandel, den wir erwartet haben", erklärte Bezos am Sitz in Seattle. "E-Books sind eine Multimilliarden-Dollar-Kategorie für uns und sie wächst schnell - etwa 70 Prozent im vergangenen Jahr."

Trotz des dünnen Gewinns waren die Anleger begeistert. Nachbörslich stieg die Amazon-Aktie um fast neun Prozent und erreichte zwischenzeitlich sogar ein neues Allzeithoch.

Wie schnell Amazon sich ausbreitet, zeigt auch die Zahl der Mitarbeiter. Sie stieg dank zahlreicher Neueröffnungen von Versandzentren binnen eines Jahres um 57 Prozent auf 88 400 Festangestellte. Dabei sind noch nicht einmal Saisonkräfte hinzugerechnet, die Amazon etwa zu Weihnachten beschäftigt.

Amazon fährt zweigleisig: Auf der einen Seite ist das Unternehmen ein klassischer Onlinehändler. Auf der anderen Seite entwickelt sich Amazon immer mehr zu einem Anbieter von Inhalten. Ein drittes Standbein sind Internetservices wie Cloud-Dienste.

Mit Kindle-Geräten wie dem "Fire HD" verkauft Amazon auf immer mehr E-Books.
Mit Kindle-Geräten wie dem "Fire HD" verkauft Amazon auf immer mehr E-Books.
Foto: Amazon

Verkaufsschlager war der Tablet-Computer "Kindle Fire HD" mit hochauflösendem Bildschirm. Amazon hatte das Gerät rechtzeitig vor Weihnachten herausgebracht. Es ist für den Handelskonzern die ideale Plattform, um seine Bücher, Filme oder Musik aus dem eigenen Onlineladen an die Kunden zu bringen. An den Geräten selbst verdient Amazon kaum etwas. Sie sind günstiger als ein Apple iPad. Konkrete Kindle-Verkaufszahlen nennt Amazon auch weiterhin nicht.

Auch der Rivale Ebay hatte rund um Weihnachten kräftig zugelegt. Treibende Kraft war hier einmal mehr die Bezahltochter PayPal, aber auch der Ebay-Marktplatz lockte deutlich mehr Kunden an. Dabei tritt Ebay allerdings nicht selbst als Verkäufer auf, sondern lebt von Gebühren für Geschäfte, die über seine Plattform abgewickelt werden. (dpa/tc)