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Amazon und Microsoft stellen Buchinhalte ins Netz

04.11.2005
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem Suchmaschinenbetreiber Google gestern Teile seiner Online-Bibliothek freigeschaltet hat, wollen Konkurrenten wie Amazon und Microsoft nachziehen.

Internet-Händler Amazon will seinen Buchkunden neben dem herkömmlichen Versandgeschäft künftig auch online Inhalte anbieten. Zwei Programme sollen im kommenden Jahr starten. Mit "Amazon Pages" können Leser im Internet Buchinhalte in digitaler Form kaufen. Das Angebot werde von ganzen Werken bis hin zu einzelnen Seiten reichen, teilte der Konzern mit. Verleger und Autoren hätten damit die Möglichkeit, mit ihren Inhalten zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

Mit "Amazon Upgrade" erweitert der Online-Händler sein herkömmliches Angebot. Kunden, die ein Buch auf dem Versandweg kaufen, erhalten zusätzlich eine Online-Version. Via Internet könnten die Käufer dann von jedem Rechner auf den entsprechenden Inhalt im Netz zugreifen. Mit beiden Offerten erweitert Amazon sein Angebot in Sachen digitaler Content deutlich. Bislang war es nur möglich, nach einzelnen Stichwörtern in Titeln und Texten online zu suchen. Angezeigt wurden jedoch nur die entsprechenden Passagen im Buch.

Mit Amazon Pages und Amazon Upgrade bemüht sich der Online-Händler, Rücksicht auf die Rechteinhaber zu nehmen. Google war in den zurückliegenden Monaten mit seinem Projekt, möglichst viele Buchinhalte einzuscannen und frei verfügbar ins Netz zu stellen, wiederholt mit Verlagen und Autoren aneinander geraten. Im August 2005 hatte der Suchmaschinenbetreiber sein Vorhaben kurzfristig stoppen müssen, nachdem Rechteinhaber juristische Schritte angekündigt hatten. In der ersten Stufe von Googles Online-Bibliothek, die in Zusammenarbeit mit verschiedenen US-amerikanischen Universitäten und Bibliotheken zusammengestellt wurde und seit wenigen Tagen im Netz verfügbar ist, stehen nur ältere Inhalte, die frei von Copyrights sind.

Google will durch die zusätzlichen Inhalte weitere Nutzer auf seine Seiten locken und in der Folge mehr Geld mit Werbung verdienen. An diesem Markt will auch Microsoft partizipieren. Der weltgrößte Softwarehersteller will seine Suchmaschine in Sachen Buchinhalte mit rund 100.000 Werken der British Library anreichern. Rund 25 Millionen Textseiten sollen eingescannt werden. Im Gegenzug will Microsoft die Bibliothek mit einer Spende in Höhe von 2,5 Millionen Dollar unterstützen.

Die eingescannten Inhalte sollen den Nutzern von Microsofts Büchersuchmaschine ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Dann lassen sich die Bücher nach bestimmten Stichwörtern durchsuchen und die entsprechenden Inhalte anzeigen. Die Werke, die jetzt eingescannt werden, sind frei von Copyrights. Microsoft plant, weitere Werke der britischen Staatsbibliothek in seinen Suchfundus aufzunehmen. Insgesamt verfügt die British Library über 13 Millionen Bücher. In welchen Umfang auf diese Inhalte zugegriffen werden darf und wie die Rechte der Urheber geschützt werden sollen, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. (ba)