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Amazon: "Schau ins Buch"

22.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Amazon plant, die Inhalte mehrerer 10.000 Bücher online zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen führe bereits Verhandlungen mit den größten Verlagen in den USA, berichten US-Medien. Der Service wird unter der Bezeichnung "Look Inside the Book II" entwickelt und soll registrierten Kunden angeboten werden. Sie bekommen allerdings nur Zugriff auf jeweils wenige Seiten pro Buch. Nicht in das Archiv aufgenommen werden voraussichtlich Lexika, Kochbücher oder Gedichtsammlungen, die nach dem Aufschlagen einer Seite bereits ihren Zweck erfüllt haben könnten. Ihre Online-Verfügbarkeit stelle somit keinen zusätzlichen Kaufanreiz dar, heißt es aus der Reihe der Verlage.

Ob der Dienst wie geplant ab Herbst angeboten werden kann, ist jedoch noch nicht geklärt. Dem Start stehen laut Experten weniger die Kosten von rund 200 Dollar pro Buch für die Digitalisierung des Inhalts sowie die die Aufbereitung im Web entgegen. Vielmehr könnten sich etliche Autoren gegen die Online-Herausgabe ihrer Werke sträuben. In den USA sehen die Verträge mit Verlagen zwar die Veröffentlichung von Zusammenfassungen einzelner Werke für Werbezwecke vor. Doch das von Amazon geplante Projekt gehe weit darüber hinaus, da sich die Bücher nach Stichworten durchsuchen lassen sollen, so die Experten.

Zusätzliche Kaufanreize für Kunden zu schaffen, ist laut Marktkennern nur ein Ziel, das Amazon mit dem Bücherarchiv verfolgt. Zusammen mit den Warenangeboten, abrufbaren Trailern zu aktuellen Filmen, lokalen Kinodatenbanken und Restaurantführern könne der Online-Händler damit auch eine attraktive Werbeplattform zur Verfügung stellen und so zum Beispiel Google Kunden abjagen, die dort von Suchergebnis abhängige Anzeigen schalten. Zurzeit kooperiert Amazon mit Google beim Anzeigenverkauf. Der Online-Händler blendet von Google verkaufte so genannte "Sponsored Links" in sein Web-Angebot ein. Die Werbeeinnahmen teilen sich die Unternehmen. (lex)