Logistik-Vorhaben mit Oracle und CSC gestoppt

Air Force scheitert mit Milliarden-Projekt

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die US Air Force hat die Arbeiten an einem erfolglosen ERP-Projekt gestoppt. Die Kosten hatten sich auf über eine Milliarde Dollar summiert, bislang ohne erkennbares Ergebnis.

Bereits seit 2005 arbeitet die US-Luftwaffe an der Logistiklösung "Expeditionary Combat Support System" (ECSS) und hat seitdem 1,03 Milliarden Dollar in das Vorhaben investiert. Nun wurden die Arbeiten endgültig eingestellt, weil eine Fertigstellung zu viel kosten würde, der erreichbare Nutzen indes überschaubar bliebe. In den vergangenen drei Jahren wurde das Vorhaben bereits drei Mal neu aufgesetzt, offenbar ohne Erfolg. "Bislang hat es keinen militärischen Nutzen gebracht", schrieb ein Air-Force-Sprecher in einer Stellungnahme. "Wir schätzen, dass weitere 1,1 Milliarden Dollar erforderlich sind, um nur ein Viertel des ursprünglichen Umfangs zu erreichen, und ein Einsatz ist nicht vor 2020 möglich." Daher habe man sich dazu entschlossen, das Projekt aus der Finanzplanung zu nehmen. Nun werde man andere Optionen prüfen, dazu zähle etwa, dass man vorhandene und modifizierte Logistiksysteme verwenden werde.

2005: Oracle und CSC werden beauftragt

Zum Projektstart 2005 konnte sich Oracle konnte gegen Rivalen wie SAP durchsetzen und einen mit 88,5 Millionen Dollar dotierten Vertrag der US Air Force gewinnen. CSC wurde als Systemintegrator ins Boot geholt, das Unternehmen pflegt eine lange Tradition in der Zusammenarbeit mit dem US-Militär. Ziel des Vorhabens war es ursprünglich, einige hundert Altapplikationen durch eine integrierte Logistiklösung zu ersetzen. Es fügte sich in die langfristige Strategie ein, die Luftwaffe so aufstellen, dass sie noch schneller, besser und effizienter die Einheiten im Kriegseinsatz unterstützen kann. Das neue Logistiksystem sollte eine Basis dafür schaffen, weltweit sämtliche Logistikströme zu beobachten und zu steuern. Es war beispielsweise dafür vorgesehen, bei anstehenden Reparaturen an Geräten und Maschinen sicherzustellen, dass die richtigen Techniker, Werkzeuge und Ersatzteile vor Ort sind.

Fragen nach der Rolle der Kontrollinstanzen

Das Abkommen mit CSC lief im vergangenen März aus. CSC habe "die Arbeiten am ECSS-Projekt im April eingestellt", bestätigte der IT-Dienstleiter in einer Mitteilung und betonte: "Die Ankündigung der Air Force zum ECSS-Programm hat keine Auswirkungen auf das Unternehmen oder auf die Belegschaft." Oracle kommentierte die Entscheidung der US-Luftwaffe nicht. Zuletzt arbeiteten noch 170 Experten an dem Vorhaben, 115 von ihnen von diversen externen Partnern. Allein CSC stellt einem Bericht des "Dayton Business Journal" zufolge zeitweilig 600 CSC-Mitarbeiter für die Air Force ab.

Das Ende des Programms hat sich schon seit langem angedeutet, die Probleme sind nicht neu. Marktbeobachter werten die Entscheidung als richtig, sie kam in ihren Augen nur viel zu spät. "Die Situation wirft viele Fragen auf: Warum braucht man eine Milliarde Dollar und fast zehn Jahre, um zu erkennen, das man auf ein Desaster zusteuert? Welche Art von Planungsprozess erlaubt es, eine Milliarde Dollar zu verbrennen?" schimpfte Michael Krigsman, CEO des Beratungshauses Asuret.