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ABN Amro nimmt Stellung zum World-Online-IPO

27.04.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - ABN Amro Holding NV, eine der konsortialführenden Banken beim Börsengang von World Online, hat gestern Stellung genommen zum skandalumwitterten Börsengang des niederländischen Online-Dienstes genommen. Demnach habe die Amsterdamer Börse die Bank gezwungen, Änderungen auf Seite 99 des World-Online-Börsenprospektes durchzuführen.

Auf dieser Seite, die viele Anleger übersehen hatten, ist zu lesen, dass Firmengründerin und -Ex-Chefin Nina Brink zwei Drittel ihrer Anteile an World Online noch vor dem Initial Public Offering (IPO) des Unternehmens an den Investmentfonds Baystar verkauft hatte - und zwar zu einem Preis, der weit unter dem Emissionspreis lag. ABN Amro hat nach eigenen Angaben in diesen Änderungen klar gestellt, dass Brink von ihrem Verkauf der Aktien profitiert habe und Baystar weigerten, die übliche Verkaufssperrfrist für Insider und vorbörsliche Anteilseigner von sechs Monaten einzuhalten. Baystar hatte dann auch gleich nach dem Börsengang von World Online 1,2 Millionen Aktien verkauft (CW Infonet berichtete).

ABN Amro erklärte ferner, die Amsterdamer Börse davon in Kenntnis gesetzt zu haben, dass World Online sie verklagen wolle, sollte sie dem IPO (Initial Public Offering) nicht statt geben. Die Bank wies jegliche Vorwürfe zurück, wonach sie den Börsengang des Online-Dienstes falsch gehandhabt habe. Eine niederländische Schutzvereinigung für Anleger wirft dem Finanzhaus und dem zweiten Konsortialführer Goldman Sachs vor, die Investoren nicht ausreichend informiert und den Emissionspreis mit 43 Euro zu hoch angesetzt zu haben. Die Organisation bereitet derzeit eine Klage im Namen der 10 000 Anleger vor, die bei dem Börsengang von World Online Aktien gezeichnet und inzwischen massiv durch den rund 70-prozentigen Kurssturz der Anteile verloren haben.