Die Interessenvertretung europäischer Cloud-Anbieter ist besorgt über die Einschüchterungstaktiken der VMware-Mutter.

Broadcom
Die Behauptung von Broadcom, europäische Cloud-Anbieter beim Aufbau souveräner Cloud-Lösungen unterstützen zu können, ist aus Sicht der CISPE (Cloud Infrastructure Services Providers in Europe) überzogen.
Broadcom bewirbt seine Software VMware Cloud Foundation (VCF) als technologische Grundlage für die von der EU geplanten Sovereign Cloud. Nach Ansicht von Francisco Mingorance, Generalsekretär von CISPE, ist das Unternehmen jedoch nicht die Antwort auf Europas Bemühungen um technologische Souveränität.
„VCF ist ein proprietäres Produkt mit eingeschränkter Interoperabilität und Austauschbarkeit, das von einem ausländischen Anbieter kontrolliert wird, der sich gegenüber Kunden und Vertriebspartnern wie ein Tyrann verhalten hat. Wenn Europa ein Beispiel für die Risiken einer übermäßigen Abhängigkeit von dominierenden außereuropäischen Anbietern braucht, dann ist Broadcom genau dieses Beispiel“, erklärte Mingorance laut einem Beitrag auf der CISPE-Website.
Das zentrale Manko: Fehlende Portabilität
CISPE nennt mehrere Gründe, weshalb VMware Cloud Foundation die Anforderungen an eine souveräne Cloud nicht erfülle. Besonders kritisch bewertet der Verband die mangelnde Portabilität der Plattform. Dadurch entspreche VCF nicht den Anforderungen des Sovereign and Resilient Cloud Framework von CISPE.
Anfang Juni stellte die Europäische Union ihren Entwurf für den Cloud and AI Development Act (CADA) vor. Das Gesetz soll Europas digitale Wirtschaft stärken, Investitionen in Forschung fördern, Vorgaben für europäische Rechenzentren schaffen und einen einheitlichen Bewertungsrahmen für Cloud- und KI-Souveränität etablieren.
Nach Einschätzung von CISPE erfüllt Broadcom die geplanten Anforderungen jedoch nur unzureichend. Das Unternehmen würde im vorgesehenen Souveränitätsrahmen voraussichtlich lediglich eine Zertifizierung der Stufe 1 erreichen.
Die Organisation fügte hinzu, dass die Geschäftsbedingungen von Broadcom nur begrenzte Wartungsverpflichtungen, keine Hinterlegung des Quellcodes, keinen Substitutionsplan und keine „Data Act“-Zertifizierung vorsähen – allesamt Punkte, die wahrscheinlich gegen die Empfehlungen des CADA verstoßen würden.
Anhaltender Konflikt zwischen CISPE und Broadcom
Der Konflikt zwischen CISPE und Broadcom schwelt bereits seit Längerem. Im Dezember 2025 forderte der Verband das Europäische Gericht auf, die Übernahme von VMware durch Broadcom rückgängig zu machen. Im März 2026 veröffentlichte CISPE zudem einen offenen Brief, in dem US-Hyperscaler davor gewarnt wurden, ihre Angebote durch sogenanntes „Sovereignty Washing“ fälschlicherweise als souveräne Cloud-Lösungen darzustellen. (mb)
Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der Network World.





