Auf dem Cisco AI Summit diskutierten Topmanager von Nvidia, OpenAI, Microsoft und Intel, wie KI die Industrie verändern wird.

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Tech-Promi-Treffen auf dem zweiten jährlichen AI Summit von Cisco: Rund 15 führende Köpfe aus Unternehmen wie Nvidia, OpenAI, Microsoft und Intel diskutierten auf der Veranstaltung, wie KI Software, Rechenleistung, Infrastruktur und die Arbeit von IT-Fachkräften beeinflusst. Aus den Vorträgen kristallisierten sich mehrere zentrale Themen heraus.
Einfluss statt Kontrolle
Softwareentwicklung war das am häufigsten diskutierte Thema. Die zentrale Frage dabei: Läutet KI das Ende der Softwareentwicklung ein oder haucht es ihr neues Leben ein?
„Man darf nicht vergessen, was Software ist. Software ist ein Werkzeug“, betonte Nvidia-CEO Jensen Huang. Die Vorstellung, dass die Softwarebranche im Niedergang sei und von KI ersetzt werde, sei das Unlogischste überhaupt – und die Zeit werde das zeigen.
Wie bei allen eingeführten Technologien sei es anfangs schwierig, den Return on Investment zu beziffern, erklärte Huang. Statt sich auf ROI zu fixieren, sollte man sich fragen: „Was ist das Wesentliche unseres Unternehmens? Was ist die wirkungsvollste Arbeit, die wir leisten?“
„Geben Sie sich nicht mit Nebensächlichkeiten ab“, forderte der Topmanager. „Bei Nvidia ist die Vielzahl an KI-Projekten außer Kontrolle geraten – und das ist großartig.“
Innovation sei nicht immer kontrollierbar, betonte Huang. „Wenn man alles kontrollieren will, sollte man vielleicht erst einmal eine Therapie machen. Kontrolle ist eine Illusion. Man kann ein Unternehmen nicht kontrollieren, man kann es nur beeinflussen.“
Aktivität ist nicht gleich Fortschritt
„Mit heutigen Coding-Agenten lässt sich zwar sehr viel Code produzieren, aber das heißt noch lange nicht, dass es guter Code ist“, merkte Microsoft-CTO Kevin Scott an. Es bestehe die Gefahr, Aktivität mit echtem Fortschritt zu verwechseln.
Scott wies darauf hin, dass sich die Softwareentwicklung derzeit in einem regelrechten Ausnahmezustand befinde. Selbst sehr erfahrene Entwickler seien davon überwältigt, mit der Geschwindigkeit der aktuellen Entwicklungen Schritt zu halten.
Für Agenten oder für Menschen optimieren?
Sam Altman, Mitgründer und CEO von OpenAI, sieht die Zukunft der Softwareentwicklung stärker auf KI-Agenten als auf menschliche Nutzer ausgerichtet.
„Wie können wir Software so umschreiben, dass sie gleichermaßen für Menschen und KI nutzbar ist?“, fragte er. Das könne die Architektur von Software grundlegend verändern – hin zu einer Optimierung für Agenten statt für Menschen.
Ein großer Teil der Software könnte künftig primär von KI genutzt werden, gleichzeitig aber weiterhin für Menschen funktionieren, spekulierte er. Eine der größten Stärken ist für ihn das Konzept des „Always-on-Computing“, bei dem KI dauerhaft Meetings verfolgt oder Arbeitsabläufe beobachtet, um Mehrwert zu schaffen. Dafür seien aber weder heutige Hardware noch die Berechtigungs- und Rechtssysteme wirklich geeignet, auch wenn es benutzerfreundlich sei, räumt Altman ein.
In Bezug auf Altman und die Codex-Plattform von OpenAI erklärte Jeetu Patel, Präsident und Chief Product Officer von Cisco, dass das KI-Defense-Paket von Cisco bald zu 100 Prozent mit OpenAIs Codex entwickelt werde. „Wir bewegen uns in Richtung dessen, was Altman als ‚Full AI Company‘ bezeichnet, nämlich wo Modelle nicht nur Produkte, sondern auch die dafür nötige Infrastruktur entwickeln“, betonte er.
Intel: Speicher als Engpass für KI
„Was KI angeht, ist Speicher für viele meiner Kunden aktuell die größte Herausforderung“, erklärte Intel-CEO Lip-Bu Tan. Bis 2028 rechnet der Manager nicht mit Entlastung.
Die Branche erlebe derzeit den schlimmsten Speichermangel ihrer Geschichte. TrendForce, ein in Taipeh ansässiges Marktforschungsunternehmen, das sich auf den Speichermarkt spezialisiert hat, erklärte kürzlich, dass es für dieses Quartal einen Anstieg der durchschnittlichen DRAM-Speicherpreise um 50 bis 55 Prozent erwartet.
Braucht KI eine neue Art von Sicherheit?
Neben offensichtlichen Einschränkungen wie Energie, Fertigung und Hardware seien vor allem weniger offensichtliche Fragen relevant, so Altman. „Etwa: ‚Wie können wir ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Datenzugriff einerseits und der Nützlichkeit all dieser Modelle andererseits herstellen?‘ Ich glaube nicht, dass jemand eine gute Antwort darauf hat. Dennoch habe ich das Gefühl, dass dafür eine neue Art von Sicherheits- oder Datenzugriffsparadigma erfunden werden muss“, erklärte der OpenAI-Chef.
Besonders kritisch sei das Spannungsfeld zwischen Datensicherheit und Nutzen von KI-Modellen. Dafür müsse vermutlich ein völlig neues Sicherheits- und Zugriffsparadigma entwickelt werden.
Cisco-Manager Patel ergänzte, dass Sicherheit erstmals zur Voraussetzung für KI-Adoption werde. In der Vergangenheit habe man sich immer die Frage gestellt, ob man sicher oder produktiv sein möchte. „Heute müssen wir sicherstellen, dass wir nicht nur der Verwendung von KI für die Cyberabwehr vertrauen, sondern auch der KI selbst“, so Patel.
KI bildet eigene Netzwerke
Mit Blick in die Zukunft erwartet Altman neue Formen sozialer Interaktion, bei denen zahlreiche KI-Agenten stellvertretend für Menschen miteinander agieren. Dies werde zu allen möglichen neuen Entwicklungen führen, so der OpenAI-CEO.
Er könne sich neue soziale Netzwerke vorstellen, in denen Milliarden Agenten Informationen austauschen, kooperieren und neue Ideen entwickeln. Ebenso denkbar seien Milliarden humanoider Roboter, die Rechenzentren, Kraftwerke und Infrastruktur aufbauen – mit enormem wirtschaftlichem Wachstum und wissenschaftlichen Durchbrüchen als Folge. (mb)





