Grant Gross
Senior Writer

KI – Cashcow oder immer noch Hype?

News-Analyse
5. Feb. 20266 Minuten

Eine neue IBM-Studie zeigt: Die Mehrheit der Führungskräfte erwartet steigende Umsätze durch KI. Woher dieses Geld aber kommen soll, weiß nur ein Bruchteil.

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Können Kleinere KI-Modelle mit klarem Fokus zum ROI-Ziel führen?

PeopleImages.com – Yuri A

Bis 2030 werden sich Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) auszahlen, davon sind 79 Prozent der Führungskräfte überzeugt, die IBM für den aktuellen Report „The Enterprise in 2030“ befragt hat. Der Haken an der Sache: Weniger als ein Viertel der Topentscheider kann sagen, woher die Einnahmen kommen sollen.

Dennoch ist IBM überzeugt, dass erfolgreiche Führungskräfte der C-Suite Wege finden werden, um ihre KI-Ziele zu erreichen und gleichzeitig potenzielle Hindernisse zu bewältigen. Das sei aber nicht leicht, räumt Big Blue ein. „Die Diskrepanz zwischen Erwartungen und Ergebnissen stellt die Führungsherausforderung dieses Jahrzehnts dar“, schreibt Mohamad Ali, Senior Vice President von IBM Consulting, im Bericht.

Kein Einsatz ist keine Lösung

Auch wenn die Umfrage andeutet, dass der Hype um KI möglicherweise übertrieben ist, fordert IBM die Führungskräfte auf, auf diese Technologie zu setzen. Die Experten prognostizieren, dass der Geschäftserfolg im Jahr 2030 nicht mehr daran gemessen wird, wie das Unternehmen seiner langfristigen Ziele vorankommt. Stattdessen sei entscheiden, wie stark ein Unternehmen seine Branche Quartal für Quartal transformiert.

„Das größte Risiko besteht nicht darin, die falschen Wetten abzuschließen, sondern darin, zu kleine Einsätze zu tätigen“, heißt es dementsprechend in dem Bericht.

Die Top-Entscheider sähen eine Zukunft mit KI, auch wenn die konkreten Prognosen noch etwas vage seien, betont Salima Lin, Managing Partner für Strategie, Transformation, Fusionen und Übernahmen sowie Thought Leadership bei IBM Consulting.

„Es ist klar, dass Führungskräfte ein Ziel vor Augen haben, aber unsicher sind, wie sie dorthin gelangen“, so die Co-Autorin des Reports. Zugleich herrsche die Erkenntnis und das Verständnis, dass sich der Markt in diese Richtung entwickelt, und diejenigen Unternehmen, die diese Lücke schließen können, die Gewinner sein werden.

Mehr Hype als alles andere

Andere KI-Experten sehen die Umfrage als Beleg dafür, dass Führungskräfte dem Hype weiterhin verfallen sind. „Für mich klingt das nach blindem Vertrauen“, erklärt Danilo Kirschner, Geschäftsführer des Cloud-Beratungsunternehmens Zoi North America.

Er sieht zwar großes Potenzial für KI, prognostiziert aber, dass 2026 ein Jahr sein wird, in dem der KI-Hype nachlässt. KI-Initiativen würden zwar weiter vorangetrieben, erläutert er, aber mit realistischeren Erwartungen, insbesondere mit Blick auf die Umsatzprognosen.

„CIOs werden nicht für die Einführung der größten KI-Systeme gelobt, sondern dafür, dass sie die ineffizientesten Systeme abschalten und einen messbaren ROI nachweisen“, fügt er hinzu.

Nicht Größe, sondern Wirkung zählt

Kirschner sieht zudem einen Trend hin zu kleineren KI-Initiativen, wobei die Projekte zunehmend auf hochspezialisierte, effiziente und kostengünstige Modelle ausgerichtet sind. Deren Aufgabe: spezifische Geschäftsprozesse zu automatisieren. „Kleinere Modelle sind günstiger im Betrieb und lassen sich mit sauberen, leicht zugänglichen Daten einfacher trainieren“, so der Berater.

Zugleich würden aber auch die Aktionäre der Unternehmen zunehmend ungeduldig gegenüber milliardenschweren KI-Experimenten, die keinen ROI abwerfen, sagt er.

„Die Unternehmen befinden sich in einem Wettrüsten und investieren Milliarden in massive, umfassende Foundation-LLMs, während sie unzählige allgemeine KI-Experimente starten“, fügt Kirschner hinzu. „Der ROI stellt sich einfach nicht schnell genug ein, um die immensen Kosten für Rechenleistung, Komplexität und Datenmanagement zu rechtfertigen.“

Optimistisch statt strategisch

Auch Lokalise-CTO Magnus Slind-Näslund erkennt in den Ergebnissen der Umfrage einen Mangel an strategischem Denken im Umgang mit KI. „Zu viele Führungskräfte setzen voll auf KI, ohne eine klare Strategie für den tatsächlichen Nutzen zu haben“, so der Technikchef des Übersetzungsanbieters. „Alle wollen davon profitieren, aber nicht alle wissen, worauf sie eigentlich hinarbeiten. Man kann an die Technologie glauben, brauche aber trotzdem einen triftigen Grund für ihre Einführung”, so Slind-Näslund.

Umsatzsteigerungen durch KI werden sich ihm zufolge erst dann einstellen, wenn Unternehmen KI gezielt bei spezifischen und konfliktträchtigen Problemen einsetzen. Dabei gibt er zu bedenken, dass die meisten Unternehmen bereits an der Kluft zwischen Begeisterung und Umsetzung scheitern. „Es ist sinnvoll, mit KI-Umsätzen zu rechnen, aber sie zu erwarten, ohne zu wissen, woher sie kommen sollen, ist kontraproduktiv“, so Slind-Näslund. „Diese Denkweise ist eher optimistisch als strategisch.“

Wohl dosiert statt Allheilmittel

Andere KI-Experten sehen jedoch eine vielversprechende Zukunft für KI, auch wenn einige frühe Experimente nicht funktioniert haben. So konnte Gain Servicing, ein Finanzdienstleister mit Schwerpunkt auf Personenschäden, laut Farah Hirth, Director of AI and Technology des Unternehmens, bereits deutliche Vorteile durch KI erzielen. Dazu zähle eine schnellere Softwareentwicklung mithilfe von Coding-Assistenten und effizientere Schadenbearbeitung.

„Intelligente Unternehmen, die echte Fortschritte mit KI anstreben, müssen ihre Arbeitsabläufe gründlich analysieren und spezifische Engpässe identifizieren“, erklärt sie. Zugleich sei es „verständlich, dass Führungskräfte von KI Umsatzsteigerungen erwarten, auch wenn manche sie als Allheilmittel überbewerten. Die Unternehmen, die wirklich profitieren werden, sind diejenigen, die KI als Werkzeug für gezielte Probleme einsetzen – nicht als Selbstzweck“, so die Expertin.

Abwarten ist keine Option

Unternehmen, die zu langsam agieren, verpassen jedoch die Vorteile von KI, so Hirth. „Manche mögen sagen, man übertreibe den Hype. Ich halte es für besser, die Möglichkeiten von KI zu überschätzen und zu sehen, was damit möglich ist, anstatt sie zu unterschätzen und den Anschluss zu verlieren, weil man es gar nicht erst versucht hat.“

Innovation und Integration statt Zögern

Auch IBM-Expertin Lin appelliert an CIOs, kontinuierlich nach innovativen Wegen zu suchen, wie sie ihr Unternehmen durch den Einsatz von KI voranbringen zu können. Die erfolgreichsten Organisationen würden Wege finden, KI auf bisher unerreichte Weise nutzen, so Lin. Und die erfolgreichsten CIOs würden die Geschäftsstrategien ihrer Unternehmen verstehen und KI integrieren.

„Sie müssen jetzt anfangen, denn Sie können nicht länger warten“, fügt sie hinzu. „KI wird immer intelligenter und besser, sie automatisiert Aufgaben, und wer wartet, verpasst den Anschluss.“ (tf)

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Grant Gross

Grant Gross, a senior writer at CIO, is a long-time IT journalist who has focused on AI, enterprise technology, and tech policy. He previously served as Washington, D.C., correspondent and later senior editor at IDG News Service. Earlier in his career, he was managing editor at Linux.com and news editor at tech careers site Techies.com. As a tech policy expert, he has appeared on C-SPAN and the giant NTN24 Spanish-language cable news network. In the distant past, he worked as a reporter and editor at newspapers in Minnesota and the Dakotas. A finalist for Best Range of Work by a Single Author for both the Eddie Awards and the Neal Awards, Grant was recently recognized with an ASBPE Regional Silver award for his article “Agentic AI: Decisive, operational AI arrives in business.”

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