Manfred Bremmer
Editorial Manager Computerwoche

Wieso neun von zehn Agenten im Labor steckenbleiben

Analyse
14. Jan. 20264 Minuten

Eine aktuelle Studie zeigt: Zwar experimentieren viele Firmen mit KI-Agenten oder planen deren Einsatz, doch für eine breitere Einführung fehlt häufig das Vertrauen.

Abgestürzte Spielzeug-Rakete
Die Angst vor Kontrollverlust und mangelndes Vertrauen lassen laut Camunda neun von zehn Agenten-Projekte abstürzen.

Gearst – Shutterstock.com

Alle reden über Agentic AI, aber kaum einer nutzt sie wirklich produktiv. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der „State of Agentic Orchestration Report 2026“ von Camunda (Download gegen Daten). Befragt wurden dazu 1.150 leitende IT- und Business-Entscheider sowie Enterprise-Software-Architekten, die für Prozessautomatisierung in großen Organisationen verantwortlich sind.

Wie die Umfrage ergab, nutzen zwar 71 Prozent der Unternehmen bereits KI-Agenten. Allerdings schaffen es nur magere elf Prozent der Use Cases tatsächlich in die Produktion.

Der Grund? Fehlendes Vertrauen und Angst vor Kontrollverlust, folgern die Verfasser der Studie. Demnach

  • befürchten 84 Prozent der Befragten geschäftliche Risiken in laufenden Prozessen, wenn der IT entsprechende Kontrollmechanismen fehlen.
  • sind 80 Prozent besorgt über mangelnde Transparenz hinsichtlich der KI-Nutzung.
  • verweisen 66 Prozent auf Compliance-Bedenken im Zusammenhang mit dem Einsatz von KI-Agenten.

Zudem befürchtet die Hälfte der Befragten, dass unkontrollierte KI-Agenten das Risiko bergen, Probleme bei schlecht implementierten Prozessen und Automatisierungen noch zu verschärfen. Dabei haben die meisten Unternehmen das volle Potenzial von Agenten laut Studie noch gar nicht ausgereizt:

  • 80 Prozent der Befragten geben an, dass es sich bei dem Großteil der eingesetzten KI-Agenten um Chatbots oder um Assistenten handelt. Diese erstellen lediglich Zusammenfassungen oder beantworten Fragen, können aber keine geschäftskritischen Fälle bearbeiten.
  • Weitere 48 Prozent sagen, dass ihre KI-Agenten in Silos operieren und nicht “end-to-end” in durchgängige Geschäftsprozesse eingebunden sind.

Automatisierung geht voran

Besser sieht es um die Erfolgsbilanz von Automatisierung insgesamt aus: Dem Bericht zufolge hat die Mehrheit (95 Prozent) der Unternehmen im vergangenen Jahr durch Prozessautomatisierung ein gesteigertes Geschäftswachstum verzeichnet, verglichen mit 87 Prozent im Vorjahr.

Im Durchschnitt haben Unternehmen knapp die Hälfte (48 Prozent) ihrer Prozesse automatisiert – ein Wert, der in Zukunft auf 64 Prozent steigen könnte. Um hier voranzukommen, beabsichtigen vier von fünf Unternehmen (79 Prozent), ihre Ausgaben für Automatisierung zu erhöhen. Die Budgets dafür sollen in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich um durchschnittlich 20 Prozent steigen.

Mit der zunehmenden Automatisierung steigt aber auch die Komplexität. Die Technologie-Stacks sind zunehmend breit verteilt – und die Anzahl der Endpunkte, die an jedem Prozess beteiligt sind, wächst. Im Schnitt verwalten die Befragten 50 Endpunkte in ihren Geschäftsprozessen, darunter Business-Software wie SAP, Oracle und Salesforce (60 Prozent), Automatisierungs-Tools (56 Prozent) und KI/ML-Lösungen (50 Prozent). Diese Zahl nimmt laut Umfrage jährlich um 14 Prozent zu.

Damit wird es zunehmend schwierig für die Unternehmen, den vollen Wert aus ihren Investitionen in KI und Automatisierung zu schöpfen: 85 Prozent der Befragten erklärten, dass sie bessere Tools benötigen, um die Schnittstellen zwischen Prozessen zu verwalten.

Noch nicht reif für Agentic Orchestration

Eine Lösung für das Verwaltungsproblem von automatisierten Prozessen stellt die agentenbasierte Orchestrierung (Agentic Orchestration) dar. Hier kommen KI-Agenten zum Einsatz, um Prozessen dynamisches logisches Denken (Reasoning) hinzuzufügen, damit diese sich in Echtzeit anpassen können.

In der Umfrage stimmen 88 Prozent der Befragten zu, dass KI über Geschäftsprozesse hinweg orchestriert werden muss, um den maximalen Nutzen aus KI-Investitionen zu ziehen. Allerdings geben fast ebenso viele Teilnehmer (85 Prozent) an, dass sie noch nicht den richtigen Reifegrad bei ihren Prozessen erreicht haben, um Agentic Orchestration zu implementieren.

Camunda, das – zufälligerweise – hier eine Lösung im Portfolio hat, sieht Nachholbedarf: „Einzelne Agenten sind nicht der Schlüssel, um die Lücke zwischen KI-Vision und Realität zu schließen, sondern die agentenbasierte Orchestrierung“, erklärt Kurt Petersen, Senior Vice President Customer Success bei Camunda. „Deterministische Orchestrierung hat schon immer klare Leitplanken etabliert. Dynamische Orchestrierung ermöglicht das logische Denken in End-to-End Prozessen über KI-Agenten, Menschen und Systeme hinweg.“

Würden beide kombiniert, könnten Unternehmen eine Basis schaffen, mit der sie KI-Agenten vertrauen. KI-Experimente verwandelten sich in stabile, geschäftskritische Fähigkeiten, so Petersen.

Im Rahmen der Studie wurden zwischen dem 23. September und dem 23. Oktober 2025 1.150 leitende IT- und Business-Entscheider sowie Enterprise-Software-Architekten befragt, die für Prozessautomatisierung in großen Organisationen (mehr als 1.000 Mitarbeitende) verantwortlich sind. Die Befragten verteilen sich geografisch (505 USA, 216 Großbritannien, 216 Frankreich und 215 Deutschland) sowie über verschiedene Branchen.

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Manfred Bremmer
Editorial Manager Computerwoche

Manfred Bremmer ist Editorial Manager der Marke COMPUTERWOCHE von Foundry in Deutschland. Nachdem er bereits während seines Studiums als freier Journalist für die CW tätig war, stieg er Mitte 2001 fest als Online-Redakteur ein und blieb. Im Laufe der Jahre war Manfred in verschiedenen Ressorts tätig, darunter Unternehmen & Märkte, Communications und Mobile & Apps. Neben seiner Tätigkeit als Editorial Manager befasst sich der studierte Ethnologe mit zahlreichen IT-Trendthemen rund um die Digitalisierung und betreut den TechTalk-Podcast.

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