Jürgen Hill
Chefreporter Future Technologies

Logistik-Revolution: Wie Otto und Nvidia das Lager der Zukunft bauen

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12. Jan. 20264 Minuten

Gemeinsam mit Nvidia, und Reply entwickelt die Otto Group ein virtuelles KI-Steuerungssystem, um alle Logistikroboter intelligent zu koordinieren.

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Mit KI und Digital Twins will die Otto Group ihre Logistikroboter künftig koordinieren und steuern.

Otto Group

Lagerhäuser, in denen Roboter emsig Pakete stapeln, sind heute oft schon Alltags-Business. Allerdings standen Logistikunternehmen dabei vor einer gewaltigen Hürde: So funktionieren zwar die einzelnen Roboter oft hervorragend, doch die Einbindung unterschiedlicher Systeme in ein großes Netzwerk erwies sich als komplex und langwierig.

Genau diese Vernetzung will die Otto Group nun in die Realität umsetzen. In einer Partnerschaft mit dem Tech-Riesen Nvidia und in Zusammenarbeit mit IT-Dienstleister Reply will der Handelskonzern die intelligente Automatisierung auf ein neues Level heben. Gemeinsam entwickeln sie ein KI-gesteuertes Koordinationssystem, das mehr Effizienz und Skalierbarkeit verspricht.

Roboter mit KI koordinieren

Das Herzstück dieser technologischen Offensive ist der „Robotic Coordination Layer“. Dabei handelt es sich um ein KI-basiertes, virtuelles Kontrollsystem, das die Kommunikation und Navigation der Roboter in Echtzeit steuert. Der Clou: Die physische Roboterflotte wird direkt mit einem Digital Twin des Lagers verbunden.

Der Digitale Zwilling visualisiert die Echtzeit-Positionen und -Bewegungen aller Roboter und ermöglicht eine nahtlose, interaktive Steuerung und Verwaltung der Abläufe. Bei der Entwicklung der der Digital Twins kommen Reality-Capture-Technologien und eine fortschrittliche Nachbearbeitung von Sensor- und Kameradaten zum Einsatz, die beispielsweise der mobile Roboter Spot von Boston Dynamics bei der Vermessung eines Lagers erfasst.

KI trifft Digital Twin

Die dahinterliegende KI-Infrastruktur stammt von Nvidia. Sie kombiniert Nvidia-Omniverse-Bibliotheken und Nvidia Isaac für KI-Robotik. Die Software ist als Komplettlösung auf dem Google Cloud Marketplace verfügbar und wird vollständig auf der Infrastruktur von Google betrieben. Die KI bildet so das Fundament für die Digitalisierung und Optimierung der Lieferkettenabläufe.

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Roboterhund Spot bei der Vermessung eines Logistikstandortes für den Digitalen Zwilling.

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Die Kombination aus er KI und Digital Twin ermöglicht es dann, den Lagerbereich zur Prozessoptimierung virtuell zu rekonfigurieren. Ferner können dynamische Simulationen zur Unterstützung des Peak-Managements durchgeführt werden. So lassen sich verschiedene Volumenszenarien simulieren, um den optimalen Bedarf an Robotern und Mitarbeiter zu ermitteln. Ferner könne Otto dank Digitaler Zwillinge der Distributions- und Fulfillment-Zentren verschiedene Robotertypen – wie autonome mobile und stationäre Roboter – deutlich schneller simulieren, trainieren und in Betrieb nehmen.

Integration ins Warehouse

Parallel dazu integriert der Robotic Coordination Layer auch Tools für das Roboterflotten-Management und das Warehouse-Management-System (WMS). Alle Roboterflotten werden so im Digitalen Zwilling visualisiert, koordiniert und verwaltet, um einen reibungslosen Anlauf und eine flexible Konfiguration zu gewährleisten. Zudem können Anwender mit unterschiedlichen Rollen und Berechtigungen kollaborativ auf Roboter-Workflows zugreifen, diese aktiv steuern und optimieren. Die Vision ist ein intelligentes, remote-steuerbares Logistikzentrum, das sich schnell an veränderte Anforderungen anpasst.

Langfristige soll der „Robotic Coordination Layer“ die vollständige Digitalisierung des gesamten Lagerökosystems ermöglichen. So entstehe ein zentrales Betriebssystem, das ein breites Spektrum an Systemen und Geräten – von Roboterflotten und konventioneller Automatisierungstechnik wie Sortieranlagen bis hin zu integrierten Sensoren zur Größenerkennung von Paletten und Torsteuerung – nahtlos verbindet, verwaltet und steuert.

Rollout bei Hermes in Löhne

Das Logistikzentrum von Hermes Fulfilment in Löhne wird als erster operativer Standort mit der neuen Lösung arbeiten. Zudem dient es als Blaupause für weitere Rollouts. Reply hat dafür bereits einen digitalen Zwilling des Standorts erstellt.

Mit dem Schritt will sich die Otto Group als European First Mover in Sachen Robotergestützter Automatisierung der Logistik positionieren. Den Endkunden verspricht der Konzern mit der Automatisierung handfeste Vorteile. Durch die gesteigerte Effizienz und die Möglichkeit, Lastspitzen besser zu bewältigen, würden Lieferungen nicht nur schneller, sondern auch zuverlässiger.

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Jürgen Hill
Chefreporter Future Technologies

Jürgen Hill ist Chefreporter Future Technologies bei der COMPUTERWOCHE. Thematisch befasst sich der studierte Diplom-Journalist und Informatiker derzeit mit aktuellen IT-Trendthemen wie KI, Quantencomputing, Digital Twins, IoT, Digitalisierung etc. Weitere thematische Steckenpferde sind die Digitale Souveränität Europas und Deutschlands sowie die Digitale Transformation - mit einem besonderen Augenmerk auf die Automobilindustrie. Zudem verfügt er über einen langjährigen Background im Bereich Communications mit all seinen Facetten (TK, Mobile, LAN, WAN).

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