An Roboter und KI in der Produktion haben sich die Autowerker bei Mercedes-Benz bereits gewöhnt. Ab Sommer 2026 soll aber auch in der Kantine ein Roboter den Kochlöffel schwingen.

Bei Mercedes-Benz kocht ab Sommer 2026 ein KI-gestützter Roboter in der Kantine.
Circus SE
An Pizza-, Hot-Dog– oder Currywurst-Automaten im Straßenbild haben wir uns bereits gewöhnt – unabhängig von der Geschmacksfrage. Eher ungewohnt sind dagegen noch KI-gestützte Kochroboter, die wirklich selbständig und autonom kochen.
Ein solcher Roboter soll 2026 im Kantinenbetrieb am Mercedes-Benz-Standort in Sindelfingen Einzug halten. Die Mercedes-Benz Gastronomie GmbH will mit dem KI-Roboter die Kapazitäten der Kantine zu Spitzenzeiten erhöhen und einen durchgehenden Betrieb für Schichtarbeit sicherstellen.
Robokoch in der Kantine
Dazu wollen die Stuttgarter ein CA-1-System der Münchner Circus SE einsetzen. Das System des 2022 gegründeten Unternehmens kombiniert Robotik mit KI-Software, um eine vollständig autonome Mahlzeitenproduktion zu realisieren. Wie ein echter Koch benötigt auch der Roboter einen gewissen Freiraum, um seine Kochkünste zu entfalten: Nämlich rund sieben Quadratmeter Grundfläche.
Ansonsten kann der Roboter pro Ladung etwas über 500 Gerichte kochen. Dabei übernimmt das System die Prozesse Dosierung, Kochen, Reinigung und Verpackung selbständig. Dazu verfügt der Robokoch über vier Koch- sowie acht Ausgabestationen. Er kann fünf Gerichte gleichzeitig zubereiten, wobei ihm bis zu 36 Zutaten zur Verfügung stehen. Eine KI-basierte Bedarfsplanung und Echtzeit-Analysen sollen laut Anbieter eine gleichbleibend hohe Qualität gewährleisten sowie die Lebensmittelverschwendung reduzieren.
Vier Minuten für ein Gericht

Roboterkoch bei der Arbeit.
Circus SE
Bestücken muss das System derzeit noch ein Mensch. Er ist auch dafür zuständig, die Zutaten auf die passende Größe zuzuschneiden, damit die Maschine sie verarbeiten kann. Aufgaben, die in naher Zukunft eventuell humanoide Roboter wie Apollo übernehmen könnten, den Mercedes-Benz im Digital Factory Campus in Berlin testet.
Doch was hat der Robokoch nun wirklich auf der Pfanne, wenn ein Kunde per Touchscreen oder KI-Sprachsteuerung eine Mahlzeit bestellt? Angesichts der Eingangs angesprochenen Automaten, kann sich das Repertoire von Kochkollegen Roboter durchaus sehen lassen. In drei bis vier Minuten zaubert er Gerichte wie Pasta, Currys, Suppen, Bowls sowie Süßspeisen wie Kaiserschmarrn oder Porridge, um nur einige zu nennen. Derzeit wird das System mit 250 vordefinierten Rezepturen ausgeliefert. Allerdings empfiehlt der Hersteller, nicht mehr als 20 Gerichte gleichzeitig anzubieten.
Die wirtschaftliche Seite
Die Anstellung des Kollegen Robokoch ist jedoch nicht billig. Für das System verlangt Circus rund 265.000 Euro. Zusätzlich fallen monatliche Gebühren für Softwarenutzung, Wartung und Beratung an. Laut Anbieter amortisieren sich die Kosten, wenn bei einem 6-Tages-Betrieb täglich mindestens 62 Gerichte verkauft werden. Dabei sollte eine Mahlzeit 8,90 Euro kosten.
Zwar ist Mercedes-Benz der erste Autobauer, der einen Roboter in der Kantine einsetzt, doch Circus kann hierzulande noch auf andere prominente Nutzer verweisen: REWE, die Meta-Niederlassung in München sowie den Flughafen Berlin.





