Aus Sicht von Branchenexperten hat Microsoft mit der Förderung von "AI-PCs" lediglich für Verwirrung bei Windows-Nutzern und PC-Käufern gesorgt.

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Analysten zufolge sollte Microsoft die Bezeichnung „Copilot+“ für AI-PCs fallenlassen – sie habe bei Käufern Verwirrung gestiftet und überzogene Versprechen nicht erfüllt.
Copilot+-Windows-11-PCs wurden erstmals 2024 vorgestellt. Sie können KI-Anwendungen lokal und ohne Internetverbindung ausführen und enthalten spezielle KI-Hardware wie Neural Processing Units (NPUs).
Doch Copilot+ habe bei Verbrauchern, Unternehmen und Programmierern nichts als Kopfzerbrechen und Verwirrung ausgelöst, so Jim McGregor, Principal Analyst bei Tirias Research, und setzt nach: „Microsoft macht nie etwas im ersten Anlauf richtig.“
“Teure Briefbeschwerer”
Die Branche habe keine aufgemotzten KI-PCs verlangt, erklärt McGregor. Viele der heutigen Windows-Computer könnten bereits bestimmte KI-Funktionen nutzen und komplexere Aufgaben ließen sich in der Cloud erledigen.
Das Konzept der Copilot+-, beziehungsweise AI-PCs habe willkürliche technische Barrieren für KI geschaffen, was die Käufer ebenfalls verwirrt habe, fährt der Analyst fort. „Nutzer, die dem Hype um KI-PCs folgten und dachten: ‚Ich bekomme all diese coolen KI-Funktionen auf jedem Standard-Windows-PC‘, hätten stattdessen teure Briefbeschwerer mit wenigen nutzbaren Anwendungen bekommen“, so McGregor.
Auf der Ignite-Konferenz stellte Microsoft sein Windows 365-Cloud-PC-Konzept mit neuen Funktionen wie KI-Agenten stärker in den Vordergrund als KI-PCs. Die Ankündigungen zu den kleineren Copilot+-PCs gingen in dem Trubel der Konferenz weitgehend unter, obwohl einige kleine KI-Funktionen vorgestellt wurden, die exklusiv für Copilot+-PCs verfügbar sind. Darunter sind etwa Fluid Dictation, die Möglichkeit, eine Tabelle mit Click to Do in Excel zu konvertieren, und Offline-Unterstützung für die Schreibhilfe.
„Wir sind weiterhin bestrebt, einzigartigen KI-Mehrwert auf Copilot+-PCs zu bieten, etwa in Form einer verbesserten Windows-Suche, Recall (Vorschau) und Click to Do – und wir gehen davon aus, dass sich dies mit Agenten, wie wir sie im vergangenen Jahr in den Einstellungen eingeführt haben, weiter wächst“, so ein Microsoft-Sprecher gegenüber unserem US-Schwesterpublikation Computerworld.
Wozu Copilot+-PCs?
Dennoch fällt es dem Softwareriesen schwer, Privat- und Business-Anwendern den besonderen Zweck dieser neuen Rechner-Gattung zu vermitteln. „Die Nutzer konnten und können ihre KI-Anforderungen in der Cloud erfüllen. Das stellt den unmittelbaren Wert von Copilot+ in Frage“, erklärt Bob O’Donnell, Principal Analyst bei Technalysis Research.
„Dieses ganze NPU-Thema wird damit irgendwie albern und unwesentlich. Rückblickend wäre es meiner Meinung nach besser gewesen, wenn sie zuerst die Cloud-KI-Funktionen veröffentlicht und danach Copilot+ eingeführt hätten“, so O‘Donnell.
Mit Copilot+ habe Microsoft einen höherpreisigen PC mit neuen KI-Funktionen entwickelt, doch aufgrund der Wirtschaftslage und dem Mangel an On-Device-KI-Use-Cases hätten die Unternehmen den Hype weitgehend nicht mitgetragen, erklärt Jitesh Ubrani, Research Manager bei IDC.
Hinzu komme, dass die aktuelle Generation von Copilot+-PCs laut Ubrani keine Begeisterung in der Kategorie der KI-PCs auslösen konnte. „Sie hat geholfen, die durchschnittlichen Verkaufspreise (ASPs) in die Höhe zu treiben und das Premiumsegment vom Rest des Marktes abzugrenzen, aber insgesamt hat sie die Marktgröße in Stückzahlen nicht vergrößert“, so der IDC-Analyst. Langfristig würden alle Windows-Computer KI-PCs sein, allerdings mit unterschiedlichen Funktionen, um verschiedene Preisklassen aufrechtzuerhalten, prophezeit er.
Microsoft selbst erklärte im Oktober, dass alle PCs KI-PCs sein werden – ein Hinweis darauf, dass die Exklusivität einiger KI-Funktionen für Copilot+-PCs aufgehoben werden soll. Die Erklärung erfolgte einen Tag nach dem Ende des Supports für Windows 10.
Gleichzeitig kündigte Microsoft neue Copilot-Funktionen an, die auf allen PCs funktionieren würden. „Diese Funktionen sind auf jedem Windows-11-PC verfügbar“, schrieb Yusuf Mehdi, Executive Vice President und Chief Consumer Marketing Officer bei Microsoft, in einem Blogeintrag.
Beim ursprünglichen Start der Copilot+-PCs hatte Microsoft eine Vielzahl von Anwendungen versprochen, die die Hardware nutzen könnten. Das Software-Ökosystem war jedoch nicht bereit und Anwendungen hinken den AI-Chips weiterhin hinterher.
Die ursprünglichen Copilot+-PCs enthielten KI-Chips von Qualcomm, Intel und AMD, die sich alle in Design und Leistung unterscheiden. Dies führte zu Verwirrung unter den Programmierern, die Code für völlig unterschiedliche KI-Chips schreiben mussten. Das bedeutete, dass sie genötigt waren, verschiedene Versionen derselben Anwendungen zu coden.
Rückkehr der KI-Leistung zu GPUs?
Dies sei nun dank einer kürzlich angekündigten Funktion namens Windows ML 2.0 weniger ein Problem, so O’Donnell, da diese nicht zwischen verschiedenen NPUs, CPUs, GPUs und KI-Chips unterscheidet. Anfang dieses Jahres fügte Microsoft außerdem die kleinen Sprachmodelle (SLMs) Phi und Mu für KI-Anwendungen hinzu, die direkt auf PCs ausgeführt werden können.
Während die auf der Ignite angekündigten neuen KI-Funktionen ebenfalls die NPU nutzen, hat sich die strenge Anforderung von Microsoft an eine leistungsfähige NPU laut Analysten verringert. Es gebe Anzeichen dafür, dass Intel NPUs möglicherweise weniger Priorität einräumt und wieder zu GPUs als Mindeststandard für KI-PCs zurückkehrt.
So verlagert der kommende PC-Prozessor des Chipherstellers, Panther Lake, mehr KI-Leistung auf GPUs, während die NPU im Vergleich zu früheren Chips nur ein kleines Upgrade erhält.
„Intel schlägt damit die entgegengesetzte Richtung ein. Sie werden eine etwa 50-TOPS-NPU haben … aber den Großteil ihrer KI-TOPS in die GPU legen“, kommentiert McGregor.
Leonard Lee, Principal Analyst bei Next Curve, wittert dahinter eine größere Strategie. Während sich Copilot+ weitgehend als Marketing-Hype herausstelle, entwickele sich Windows im größeren Zusammenhang zu einem AI-first-System, erklärt er. „Microsoft versucht, die Fähigkeiten der KI zu nutzen, um den PC wieder nützlich zu machen … Sie wollen weiterhin mit allen Chip-Herstellern zusammenarbeiten, um bestimmte Mindestanforderungen festzulegen, die Microsoft als notwendig erachtet.“ (mb)





