Erfolgsfaktor Community

Die Stärke von Coworking Spaces liegt im Netzwerken

27.03.2017 von Anna-Lena Schwalm  IDG ExpertenNetzwerk
Als Initiator und Zentrum von Austausch und Vernetzung haben sich Coworking Spaces in den letzten Jahren in Deutschland etabliert.

Die steigende Anzahl der Coworking Spaces und Shared Offices weltweit, aber auch zunehmend in Deutschland verspricht immer größer werdende (Business-)Netzwerke. Diese können die strategische Vorteile, aber auch Herausforderungen mit sich bringen. Schon frühzeitig braucht es Umgangsformen und bestimmte Verhaltensregeln für die heterogene Coworking-Community und ebenso für die Entscheider, die ihre Mitarbeiter in dieses Netzwerk bringen möchten, um von Ideen und dem Know-How der anderen zu profitieren.

Jeder arbeitet für sich an seinem Platz und doch führt alles zusammen zu einem gemeinsamen Ziel.
Foto: Andrey Pavlov - shutterstock.com

Die heutige Zeit ist geprägt von Vernetzung. Eine gemeinsame Beziehung ist längst kein privates Phänomen, sondern wird immer mehr zum Erfolgsfaktor im Geschäftsleben. Denken wir nur an soziale Netzwerke wie Xing, Facebook oder LinkedIn. Die neue digitale Kommunikation und mobile Technologien ermöglichen einen persönlichen 24/7 Auftritt, der für die ganze Welt sichtbar sein soll. Die Tatsache, dass sich private und berufliche Netzwerke vermehrt überschneiden, löst häufig den Wunsch der Mitarbeiter aus, diesen Gedanken auch im Berufsleben weiterzuführen und mit Gleichgesinnten, Geschäftspartnern, innovativen Querdenkern und spannenden Story-Tellern in engen Austausch zu treten.

Entstehung von neuem Wissen und Innovationen sind häufig nicht das Ergebnis eines einzigen Individuums, sondern das Werk eines kommunizierenden und kooperierenden Netzwerks, aufbauend auf bestehenden Kenntnissen desselben. Die Dynamik der Netzwerke verbindet bislang unbekannte Menschen miteinander und damit neues Wissen, verknüpft abteilungsübergreifende, brancheninterne oder interdisziplinäre Kontakte und regt spontane Interaktionen an. Das zielgerichtete Knüpfen eines vorteilhaften Netzwerkes kann als wichtiger taktischer Schritt zur Erreichung strategischer Ziele beitragen. Das Tauschmittel, die Währung dieses Prozess, ist dabei vielfältig. Nicht nur Wissen, Produkte oder Geld wechseln den Eigentümer, sondern Beziehungen und Netzwerke selbst verleihen meist die entscheidende Attraktivität dieses Prozesses.

Netzwerkscout Coworking Space

Dass Coworking Spaces nicht nur ein kreatives und produktives Arbeitsumfeld für Freelancer, Startups oder Mitarbeiter, sondern auch fundamentaler Bestandteil der Digitalisierungsstrategien deutscher Konzerne und Mittelstandsunternehmen ist, haben sie vor allem dem dahinterstehenden Netzwerkcharakter zu verdanken.
Die Initiatoren des Coworking Space WeWork beispielsweise fokussieren den Netzwerkgedanken – die Bildung, Erhaltung und Nutzung einer globalen Community.
Die WeWork-Mitglieder können auf ein globales Mitgliedernetzwerk und zahlreiche Partnerschaften in 19 Ländern zugreifen. Das wichtigste - den richtigen Nutzen - bringt die Community. Die Mitgliederzahl soll im Jahr 2018 bei ca. 260.000 Mitgliedern liegen, weshalb der Coworking Space weitere Finanzierungsrunden erhielt.

Professional-Networks, die in vielen Metropolen vertreten sind, befördern Städte wie München oder Köln durch die Bündelung der Ressourcen, Netzwerke, Wissen und Infrastrukturen zu globalen Hotspots, die eine Verbindung zwischen lokalen und globalen Unternehmen darstellen und Gemeinschaften schaffen wollen.

Crisp Research AG
Foto: Crisp Research AG, 2017

Coworking Spaces initiieren den Vernetzungscharakter durch regelmäßige Netzwerk-Events für Mitglieder und externe Teilnehmer. Sie unterstützen den Austausch und die Vernetzung sowohl branchenintern als auch interdisziplinär. Themenveranstaltungen oder After Work Partys sollen den Wissensaustausch und das Kennenlernen von relevanten Personen vereinfachen und bieten durch die Teilnahme daran für Unternehmen in Zeiten des War for Talents die beste Gelegenheit, um ihr Leistungsreservoir auszubauen.
Für viele Young Professionals sind Coworking Spaces eine Homebase, Anlaufstelle und Netzwerkzentrale, um Mitspielern zu helfen oder neue zu finden. Die sich daraus ergebenden Verknüpfungen können traditionelle Unternehmenspartnerschaften zwischen strategisch handelnden Akteuren, Beziehungen zwischen individuellen Akteuren also Coworkern oder ein Geflecht zwischen Unternehmen und Coworkern sein.

Aber vorsicht! Gleichzeitig bringt die Vernetzung (eines Unternehmens) auch Risiken mit sich. Der Ausbau eines Netzwerkes, insbesondere in Coworking Spaces, geschieht in der Regel nicht infolge einer genauen Marktbeobachtung und Selektion, sondern durch spontane und zufällige Gelegenheiten. Deshalb sollte man auf der Hut sein und abwägen, ob der angestrebte produktive Austausch mit Freund oder Feind stattfinden wird. Zu den Schattenseiten von Coworking, Networking und Co. gehören auch Konflikte.

Wenn unterschiedliche Netzwerkpartner mit verschiedenen Kompetenzen und Zielen zwecks gemeinschaftlichen Nutzens miteinander kooperieren, sind Spannungen, zum Beispiel auf Basis mangelnden Vertrauens, vorprogrammiert. Der Kommunikations- und Abstimmungsaufwand steigt, hier können die geeigneten Technologien und Collaboration-Plattformen eine Hilfestellung geben. Die meist vorzufindende diskussionsfreudige, lebendige Arbeitsatmosphäre ist nicht für Jedermann geeignet. Schon die Einrichtung offener Büroetagen als zukunftsweisende Arbeitsplatzkonfiguration, die eigentlich der Kommunikation zwischen den Mitarbeitern dienen soll, bewirkt nicht selten das Gegenteil und ist Ursache für Distanz und sich zurückziehende Mitarbeiter. Vermutlich gibt es hier ebenso viele Misserfolgs- wie Erfolgsgeschichten.

Social Business richtig einführen
Mehr Interesse aus dem Vertrieb und Marketing
Über 200 Teilnehmer haben sich an der aktuellen Umfrage zum Thema Enterprise 2.0 beteiligt. Auffällig in diesem Jahr: Die Beteiligung aus den Fachbereichen Marketing/Vertrieb ist im Vergleich zu den vorhergehenden Umfragen deutlich gestiegen. Dagegen haben weniger Personaler mitgemacht.
Wissen um Enterprise 2.0 wächst
Das Wissen um Enterprise 2.0 wächst. Sechs von zehn befragten Managern gaben an, den Begriff zu kennen und auch zu verstehen, was er bedeutet. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur Umfrage aus dem Jahr 2013 - damals waren es lediglich 41 Prozent.
Mehr Unternehmen kümmern sich aktiv um Enterprise 2.0
Immer mehr Unternehmen setzen sich aktiv mit ihrer Entwicklung in Richtung Enterprise 2.0 auseinander. Waren es im vergangenen noch 65 Prozent stieg der Anteil im laufenden Jahr bereits auf über 80 Prozent.
Oberstes Ziel - bessere Kommunikation und Zusammenarbeit
Primäres Ziel von Enterprise 2.0 ist die Verbesserung von Kommunikation und Zusammenarbeit der eigenen Mannschaft. Darüber hinaus soll das in der Organisation vorhandene Wissen besser gespeichert und verfügbar gemacht werden.
Erfolgreiche Enterprise-2.0-Projekte
Die meisten Enterprise-2.0-Initiativen scheinen von Erfolg gekrönt. Gut drei von vier Befragten charakterisierten das Ergebnis ihrer Maßnahmen als erfolgreich (63 Prozent) bezeihungsweise sogar als sehr erfolgreich (13 Prozent).
Mehr Offenheit im Zuge von Enterprise 2.0
Im Zuge ihrer Enterprise-2.0-Maßnahmen erwarten die Verantwortlichen eine offenere Kommunikation, eine stärkere Vernetzung der Mitarbeiter sowie einen besseren Zugang zu Informationen.
Risiko Datensicherheit
Mit der stärkeren Vernetzung rückt das Thema Datensicherheit stärker in den Fokus der Verantwortlichen für Enterprise 2.0. Als weitere Risiken werden die Gefahr einer sinkenden Produktivität sowie möglicherweise ausbleibender Nutzen gesehen.
Die Urheber der Studie
Die Umfrage wurde vom Lehrstuhl Organisation & Personalmanagement an der Wiesbaden Business School / Hochschule RheinMain und dem Unternehmen FeelGood at Work durchgeführt.

How to – construct, keep up, benefit

Crisp Research identifiziert 4 “Verhaltensregeln“ als Coworking-Knigge für das erfolgreiche Netzwerken:

Szenarien zur Zukunft von Coworking bieten sich an

Coworking Spaces bleiben Nischenphänomen.
Coworking ist und bleibt für jene Enthusiasten ein Trend, die etwas bewegen wollen, tüfteln und forschen möchten. Dennoch bleiben sie ein Nischenphänomen. Wenngleich es eine attraktive Anlaufstelle für Startups und Freelancer in Universitätsstädten bleibt, greifen kleinere und mittlere Unternehmen nur auf die Coworking Spaces zurück, wenn es eine deutlich günstigere Alternative ist, als der klassische Arbeitsplatz. Damit verzichten sie nicht nur auf potentielle Partner, sondern vergeben auch die Chance sich im Zuge des Wissensaustauschs weiter zu entwickeln.

Coworking Spaces Akzeptanz steigt- es bilden sich ausgebildete Businessnetzwerke
Durch die steigende Akzeptanz von Coworking Spaces vergrößern sich diese und expandieren. Unternehmen erkennen die Potenziale, die damit einhergehen mit Startups und Co. Partnerschaften einzugehen und sie in das Unternehmensumfeld zu integrieren. Sie bauen sich eigene Coworking Spaces auf und fördern nicht nur freies und kreatives Arbeiten, sondern auch die Erschaffung ausgebildeter Businessnetzwerke. Die technische Ausstattung der Coworking Spaces – WLAN, mobile Endgeräte und eine einheitliche Collaboration & Arbeitsplattform – bleiben Voraussetzung für die Flexibilität und Akzeptanz von Coworking.

Coworking: Arbeiten und Networken
Alle Coworking-Spaces ...
... haben sich zum Ziel gesetzt, ihren Mietern nicht nur eine Büroheimat, sondern auch einen Raum für neue Kontakte zu schaffen. Hier im Bild das Betahaus in Berlin.
Einen Schreibtisch auf Zeit ...
... mieten sich Freiberufler, mobile Projektarbeiter oder Gründer wie hier im Betahaus und nutzen die Büroinfrastruktur.
Aus informellen Kontakten ...
... von Schreibtisch zu Schreibtisch kann sich geschäftlicher Nutzen entwickeln. Im Betahaus sind so schon viele virtuelle Unternehmen entstanden.
Coworking bietet die Offline-Ergänzung zu den Social Networks
Jeder kennt jeden über ein paar Ecken. Man ist über einen gemeinsamen Geist verbunden, die Hürde zur Zusammenarbeit ist niedrig", beschreibt Betahaus-Mitgründerin Madeleine von Mohl.
Als Arbeitsform ...
... ist Coworking ( hier die Mobilsuite in Berlin) konkurrenzlos günstig. Der Schreibtisch zum Mieten ist schon ab 13 Euro pro Tag zu haben.
In der Mobilesuite ...
... können die Coworker einmal im Monat ihre Geschäftsideen vorstellen oder sich auch ganz informell beim gemeinsamen Frühstück austauschen.
London ...
... ist laut Deskwanted.com mit 81 Coworking Spaces weltweit die Nummer eins.
In New York ...
... finden sich 71 Coworking Spaces.
Berlin landet ...
... mit 68 Coworking Spaces auf Platz 3 der Coworking-Metropolen.
In Tokio ist Raum knapp, ...
... für Freiberufler und Gründer gibt es 63 Coworking Spaces.
Platz 5 nimmt San Francisco ein ...
... wo 2006 der erste Coworking Space gegründet wurde. Heute finden sich in der Stadt 46 Coworking Spaces.

Coworking Spaces als neuer Standard des Wissensaustauschs
Die große Themenbreite der ansässigen Coworker und die damit verbundene Ansammlung von Wissen machen aus Coworking Spaces eine Plattform des interdisziplinären Austauschs. Durch die Vernetzung und Vermittlung von Wissen werden Coworking Spaces als selbstverständliches Nachschlagwerk anerkannt und als Anbindung zu institutionellen Schnittstellen aufgesucht. Weiterhin ist es eine Anlaufstelle für Unternehmen, die Fachgurus für diverse Miniaufgaben suchen. Bestehende Spaces werden ausgebaut, um Werkstätten und Labs erweitert und sich in Folge zu Innovations-Brutstätten entwickeln.

Unternehmen müssen draußen bleiben
Etablierte Coworking Spaces stellen größeren Teams und Unternehmen Meetingräume, Konferenzräume oder Apartments zur Verfügung. Sie laden sie zu Events ein oder buchen Mitglieder für Vorträge an Themenabenden. Coworking Space-Betreiber wollen die Vernetzung untereinander vorantreiben und verhindern, dass sich größere Teams absondern oder sich mit sich selbst beschäftigen. Die hohe Nachfrage von Selbstständigen und Freelancern erlaubt es ihnen auf den Zugang von Arbeitsgruppen oder ganzen Abteilungen zu verzichten. Um einer Distanzierung geschlossener Arbeitsgruppen entgegenzuwirken, wird ihr Zutritt ausschließlich auf separate Räume beschränkt, wodurch die zentralen Werte eines Coworking Spaces für die Teams verloren gehen.

Ob durch lose Smalltalks oder gezielte Hilfestellungen - Coworking Spaces sind ein zentraler Ort, um neben der Kernarbeit Kontakte zu knüpfen und Netzwerkarbeit zu betreiben. Das Arbeiten im Coworking Space beinhaltet als positiven Nebeneffekt die Herstellung von Kontakten und sozialen Ereignissen. Weiterhin ist es keine Notwendigkeit, täglich im Coworking Space anwesend zu sein, weil man - wenn man erst einmal den Status eines Coworkers hat, im Kontaktnetz integriert ist. Somit stellen Coworking Spaces eine preiswerte Möglichkeit dar, den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter mit punktuellen Begegnungen anzureichern. Dennoch sollte bedacht werden, dass “Netzwerken” nur erfolgreich sein kann, wenn man gewisse Verhaltensregeln einhält und die Philosophie von Coworking Spaces versteht.