Manfred Bremmer
Editorial Manager Computerwoche

Der GITEX AI Europe geht die (Berliner) Luft aus

News
3. Juli 20264 Minuten

Nach nur zwei Ausgaben ist die neue Technologie- und Startup-Messe in der Hauptstadt offenbar schon wieder Geschichte.

GITEX AI EUROPE 2026 brought together thousands of tech executives from 101 countries across two days
Gut gefüllt und voller Elan, aber leider nicht erfolgreich: Ausgabe 2 der GITEX AI Europe

GITEX

Wie schwierig es ist, heutzutage eine große Technologiemesse in Deutschland zu veranstalten, mussten schon die Macher der CeBIT erfahren. Nun hat es auch den ungekrönten Nachfolger, die GITEX AI Europe, erwischt.

Wie die Berliner Morgenpost berichtet ($), hat der Veranstalter Kaoun International der Messe Berlin kurz vor Beginn von „Europas internationalster Technologie- und KI-Messe“ die Kündigung geschickt und auch die bereits in Vorbereitung befindliche Messe für 2027 gecancelt. Eine Stellungnahme des Tochterunternehmens des Dubai World Trade Center, das mit der GITEX Global die weltweit größte Technologiemesse betreibt, liegt (noch) nicht vor.

Gute Miene zum bösen Spiel

Auf der Veranstaltung selbst war von der Pleite nichts zu spüren und zu hören. An den Ständen in den drei Messehallen herrschte reges Treiben, die Vorträge und Podiumsdiskussionen waren gut besucht. Einzig das Fehlen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner, bei der Eröffnung sorgte bei den Besuchern für etwas Verwunderung.

Er wurde aber durch seine Kollegin Franziska Giffey würdig vertreten. In ihrer zehnminütigen Rede nahm sie 20-mal das Wort Berlin in den Mund und pries ausgiebig die Vorzüge der Stadt.

Atmosphäre ist jedoch nicht alles bei einer Messe, auch die Zahlen müssen stimmen. So hatte Kaoun International bereits im Vergleich zum Vorjahr die Dauer von drei auf zwei Messetage reduziert. Gleichzeitig schrumpfte nun auch die Anzahl der Aussteller von knapp 1200 auf rund 800, ein Großteil davon Startups mit wenigen Quadratmeter großen Ständen.

Zu den Besucherzahlen in diesem Jahr (2025: gut 21.000) gibt es noch keine Angaben. Allerdings stellt sich hier die Frage nach der richtigen Ausrichtung, um erfolgreich zu sein: Wie auf der VivaTech in Paris und zum Teil auf der GITEX in Dubai erfolgreich praktiziert, richtete sich auch die Berliner Version stark auf Startups und Investoren aus. So hatte Giffey, damals noch Bürgermeisterin, bei der Bekanntgabe des GITEX-Deals noch lautstark getönt: „In Berlin schlägt das Herz der Startup-Community, hier ist man am Puls der Zukunftstechnologien. Deshalb passen Berlin und GITEX exzellent zusammen.“

Eine Ausrichtung, die IT-Entscheider nur bedingt anspricht. Und diese wären wiederum erforderlich gewesen, um mehr große Tech-Firmen anzuziehen und zu größeren Investitionen zu locken. So waren zwar mit beispielsweise A1 Digital, AMD, AWS, Bosch, DeepL, Google, IONOS oder NinjaOne eine Reihe interessanter Anbieter vor Ort, allerdings zum großen Teil mit einem kleinen oder gar keinen eigenen Stand.

Das Ganze ist allerdings nur eine Momentaufnahme und mit etwas Geduld, Geschick und Ausdauer hätte sich die Messe durchaus entwickeln können – nicht zuletzt dank dem Fokus auf Digitale Souveränität und KI.

GITEX auf Welt-Tournee

Das GITEX-Imperium
Aus 1 mach 14. Haben sich die GITEX-Macher übernommen?

Screenshot/www.gitexitaly.com

Ganz ad acta gelegt haben die Veranstalter den Traum einer – erfolgreichen – europäischen Hightech-Messe allerdings nicht. So findet Ende April 2027 die GITEX AI Italy in Rom statt, ein Monat später folgt die GITEX AI Serbia in Belgrad. Allgemein nährt die Menge der geplanten oder in den letzten zwei Jahren durchgeführten Tech-Events den Verdacht, dass sich die GITEX-Macher etwas verzettelt haben.

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Manfred Bremmer
Editorial Manager Computerwoche

Manfred Bremmer ist Editorial Manager der Marke COMPUTERWOCHE von Foundry in Deutschland. Nachdem er bereits während seines Studiums als freier Journalist für die CW tätig war, stieg er Mitte 2001 fest als Online-Redakteur ein und blieb. Im Laufe der Jahre war Manfred in verschiedenen Ressorts tätig, darunter Unternehmen & Märkte, Communications und Mobile & Apps. Neben seiner Tätigkeit als Editorial Manager befasst sich der studierte Ethnologe mit zahlreichen IT-Trendthemen rund um die Digitalisierung und betreut den TechTalk-Podcast.

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