Während Deutschland noch über Chancen und Risiken von Physical AI diskutiert, ist man in China bereits einen Schritt weiter. Embodied AI heißt die nächste KI-Evolutionsstufe.

Ein Hotel ohne menschliche Mitarbeiter? China will 2027 das weltweit erste reine Roboterhotel eröffnen.
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Fehlende Fach- und Servicekräfte? Deutsche Hoteliers und Gastronomen reagieren darauf mit verkürzten Servicezeiten oder zusätzlichen Ruhetagen. Die Chinesen schlagen einen anderen Weg ein: Sie setzen verstärkt auf Roboter mit KI. Davon, wie diese in Restaurants als Bedienung fungieren oder als autonome Drohnen zu Essenskurieren werden, konnten wir uns bereits 2024 auf einer Chinareise überzeugen.
Doch jetzt geht man in China noch einen Schritt weiter. 2027 will man das erste vollständige Roboterhotel eröffnen. Egal, ob Concierge, Bedienung, Zimmerservice, Koch oder Reinigungskraft, diese Aufgaben sollen Roboter mit „verkörperter KI“ („Embodied AI“) übernehmen.
Das Robo-Hotel im Perlfluss-Delta
Entstehen soll das Hotel inmitten des Perlfluss-Deltas auf einer künstlichen Insel, wo ein gigantisches Infrastrukturprojekt Shenzhen mit Zhongshan verbindet. Auf der Westlichen Künstlichen Insel bereiten Pudu Robotics und die Shenzhen Culture & Tourism Industry Development Co. Ltd das neue Hotel vor.

Ein Roboter als Servicekraft in einem Restaurant in Shenzhen.
Hill
Dabei verfolgt das Projekt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Roboter nicht nur als Einzelkämpfer auftreten, sondern in einem vernetzten Ökosystem zusammenarbeiten. Sobald ein Gast das Hotel betritt, beginnt eine Reise, die von Embodied AI gesteuert wird.
Die digitale Belegschaft
Ein Blick auf die digitale Belegschaft verrät die technologische Tiefe des Vorhabens. Quasi als Doorman-Ersatz ist der „PUDU T300“ für die grobe Arbeit zuständig und transportiert mit einer Traglast von 300 Kilogramm schweres Gepäck, wobei er sogar autonom Aufzüge nutzt. Währenddessen flitzt der „FlashBot“ durch die Gänge, um Getränkebestellungen auszuliefern, die die Gäste zuvor per Smartphone aufgegeben haben.

Drei der Serviceroboter, die Pudu Robotics im Rahmen des Projekts einsetzen will.
Pudu Robotics
In den öffentlichen Bereichen sorgen der „PUDU CC1 Pro“ und der „MT1“ für Sauberkeit, indem sie Abfälle mittels KI-basierter Erkennung identifizieren und die Böden eigenständig pflegen. Für den Charme und die Interaktion sind andere zuständig: „BellaBot Pro“ serviert Kaffee mit Sprach- und Lichteffekten, während „KettyBot Pro“ Snacks verteilt und auf seinem Display Event-Informationen präsentiert. Für den Unterhaltungsfaktor sorgen interaktive Auftritte des „PUDU D5“, die demonstrieren sollen, dass Roboter mehr können, als nur effizient zu sein.
Das Gehirn hinter der Hardware
Was wie Science-Fiction klingt, basiert auf einer komplexen Softwarearchitektur. Das Herzstück des Systems ist das KI-Modell „PuduFM 1.0“ in Kombination mit der Plattform „PuduAgent“. Diese Architektur nutzt sogenannte Vision-Language-Action-Modelle (VLA), die es den Robotern ermöglichen, Gesten zu verstehen, soziale Interaktionen zu meistern und ihre Routen in einer sich ständig verändernden Umgebung dynamisch anzupassen. Dadurch, dass das Framework geteilt wird, lernen die Maschinen voneinander. So profitiert ein Reinigungsroboter von denselben Kernfähigkeiten wie ein Empfangsroboter. Dies soll Entwicklung und Einsatz massiv beschleunigen.
Auch wenn die Eröffnung des Hotels erst für 2027 angekündigt ist, soll bereits Ende 2026 der Probebetrieb starten. In der Testphase will man ausgewählte Zimmer und Dienstleistungen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Langfristig – bis 2030 – will China die Westliche Künstliche Insel zu einem globalen Benchmark für die Konvergenz von Tourismus und intelligenter Automatisierung ausbauen.
Ob man als Hotelgast wirklich das charmante Lächeln einer Empfangsdame gegen das digitale Blinken eines Roboters eintauschen will, sei dahingestellt. Auf jeden Fall ist das Projekt ein weiterer Beleg dafür, wie rasend schnell KI und Robotik klassische Geschäftsmodelle transformieren – zumindest in China.





