Serverausfall

VoIP-Panne in Mecklenburg-Vorpommern

01.10.2010 von Manfred Bremmer
Kein Anschluss unter dieser Nummer - nach einem Totalausfall im Rechenzentrum standen ausgerechnet in einem Vorzeigeprojekt von Cisco und T-Systems stundenlang die Telefone still.
Das DVZ-Gebäude in Schwerin (Foto: DVZ GmbH)
Foto: DVZ

Ungewöhnlich ruhig ging es Anfang dieser Woche in den Ministerien, Landesämtern und Behörden von Mecklenburg-Vorpommern zu. Wegen eines Serverausfalls im landeseigenen DVZ Datenverarbeitungszentrum Mecklenburg-Vorpommern (DVZ), das den Verwaltungsstellen des Landes "Cisco Unified Communications" als Managed Service anbietet, waren Montag und Dienstag zeitweise rund 12.000 IP-Anschlüsse nicht erreichbar.

Zwar war es den Technikern bereits Montag Abend gelungen, den Normalbetrieb des 2007 eingeführten Systems wiederherzustellen - scheinbar, denn am Dienstag morgen, als zahlreiche Verwaltungsmitarbeiter den Dienst wieder aufnahmen, gab es erneut Ausfälle. Die Erklärung des DVZ: Nach dem Ausfall des Zentralsystems sei zwar ein Notsystem wie vorgesehen eingesprungen, dieses habe jedoch nicht geschafft, die Kommunikation wieder vollständig sicherzustellen.

Überraschend ist dabei, dass es sich bei diesem Notsystem nicht um den Backup-Server für das Cluster-System handelte. Stattdessen sicherten die lokal bei verschiedenen Ämtern installierten Cisco Unified SRST Router (SRST = Survivable Remote Site Telephony) eine Art Notbetrieb, bei dem die Funktionen allerdings stark beschränkt sind.

Schön wärs gewesen, dieses Bild, aber: Bei bis zu 12.000 Behörden-Anschlüsse ging Anfang der Woche "gar nichts mehr". Foto: Fastlane GmbH
Foto: Fastlane

Das Hauptsystem wurde erst Dienstag Abend nach dem Austausch etlicher Komponenten und dem Aufspielen von neuen Releases und Software-Updates wieder hochgefahren. Noch Mittwochvormittag erklärte André Korsch, Sachgebietsleiter für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, auf Anfrage der COMPUTERWOCHE, das DVZ sei "vorsichtig optimistisch", den Fehler behoben zu haben. Ob das System den Auslastungsspitzen während der Bürozeiten standhalte, könne man jedoch erst im Tagesverlauf sagen. Auch für eine genaue Ursachenklärung war es laut Korsch noch zu früh.

Der zeitweise Totalausfall stellt nicht nur Konzepte wie die - im Vergleich zu klassischen TK-Anlagen - empfindlichere IP-Telefonie oder die Konsolidierung von Diensten als Managed Service in Frage. Er wirft auch einen Schatten auf das Vorzeigeprojekt von Cisco und T-Systems, das 2008 mit dem Cisco Networkers Innovation Award in der Kategorie "2008 Best Managed Service" ausgezeichnet worden war. Damals wurden neben den erzielten Kosteneinsparungen von mehreren Millionen Euro auch die höhere Stabilität und größere Produktivität durch die Konsolidierung der IP-Services im Schweriner DVZ gerühmt. Fraglich ist auch, wie es um die Skalierbarkeit des Systems bestellt ist: Mittelfristig sollen über das Datenverwaltungszentrum Mecklenburg-Vorpommern bis zu 25.000 Teilnehmer über IP telefonieren können, hieß es in der Pressemitteilung von Cisco 2008 verheißungsvoll.

Nur eine technische Störung

Auf eine Anfrage der COMPUTERWOCHE reagierte der Netzwerk-Riese lediglich mit dem Hinweis, dass der Service im DVZ bereits am Dienstag wiederhergestellt werden konnte und das System - vom aktuellen Fall abgesehen - seit 2007 stabil laufe. Auch Matthias Fuchs, Abteilungsleiter für Lösungsentwicklung beim DVZ, betonte, dass es sich nur um eine technische Störung gehandelt habe, die zusammen mit den Rahmenvertragspartnern T-Systems und Cisco beseitigt wurde. Der Vorfall sei vergleichbar mit einer defekten Lichtmaschine in einem Mercedes, so Fuchs, die Medien hätten ihn aber stark aufgebauscht. Es sei jedoch nichts passiert, was einen Bericht in der COMPUTERWOCHE rechtfertigen würde. Die tatsächlichen Auswirkungen des Ausfalls spielt auch ein zynischer Leserkommentar auf "Spiegel Online" herunter: "Die Landesregierung ist seit Urzeiten vom Volk abgeschnitten. Wozu braucht die noch Telefone?"