Update: Jetzt angeblich Windows schuld am Skype-Ausfall

20.08.2007
Nachdem fast zwei Tage lang für viele Skype-Benutzer kein Telefonieren möglich war, hat die eBay-Tochter nun auf ihrer Web-Seite eine Fehlererklärung veröffentlicht, die sehr obskur klingt.

Auch in der jüngsten Erklärung hält Skype an seiner Darstellung fest, dass der Ausfall nicht durch einen Angriff von außen herbeigeführt wurde. Zudem, so versucht die eBay-Tochter weiter zu beruhigen, sei die Sicherheit der Skype-Benutzer zu keiner Zeit gefährdet gewesen. Im Internet halten sich dagegen hartnäckig Gerüchte, dass Skype Opfer eines Hacks wurde, wie Code-Schnipsel in einem russischen Forum beweisen sollen.

Glaubt man den offiziellen Skype-Ausführungen von Villu Arak, so war die Update-Funktion von Windows an dem Ausfall schuld. Nach dem Aufspielen der Patches hätten die User innerhalb einer kurzen Zeitspanne ihre Rechner neu gestartet. Diese ungewöhnlich hohe Anzahl an Neustarts, verbunden mit Login-Anfragen auf den Skype-Servern, hätten die Netz-Ressourcen überfordert. In Verbindung mit einem bislang nicht entdeckten Bug in der Software zur Allokation der Netz-Ressourcen sei es dann zu den massiven Ausfällen gekommen. Der Fehler hätte zudem verhindert, dass die Selbstheilungsmechanismen des Peer-to-Peer-Netzes gegriffen hätten.

Offen bleibt allerdings, warum der Bug, der wohl bereits länger vorhanden war, erst jetzt so massive Auswirkungen hatte. Zudem stellt sich die Frage, warum Skype erst am Donnerstag crashte? Patch-Day war bei Microsoft nämlich bereits am Dienstag, so dass wohl die meisten Windows Rechner die Fixes per automatischem Update am Mittwoch einspielten.

Ebenso dürfte Skypes Erklärung, dass es in der heutigen Zeit kaum Technologien oder Kommunikationsnetze gebe, die garantiert ohne Ausfälle funktionieren, viele Benutzer nicht zufrieden stellen. So sind vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbstständige über den Ausfall verärgert. Beispielsweise berichtet ein schwedischer User, dass sein Arbeitgeber alle Pläne, Skype für mehr Geschäftsprozesse zu nutzen, vorerst auf Eis gelegt habe. Auch Stefan Topfer, CEO der Londoner Winweb, überlegt, ob er künftig noch Skype nutzt oder nach Alternativen sucht. Winweb offeriert rund 250.000 registrierten Benutzern über das Internet Büro-Services – darunter auch Skype als VoIP-Dienstleistung.

Während die professionellen Anwender verärgert sind, können Sicherheitsexperten dem Ausfall durchaus positive Seiten abgewinnen: Es wird wieder über den Einsatz von Skype und seine potenzielle Gefahr für die Sicherheit eines Unternehmensnetzes diskutiert. Im Zentrum der Kritik steht dabei immer wieder, dass Skype seine Protokolle und Software nicht veröffentlicht und so in den Augen der Kritiker eine Fehlersuche und Verbesserungen behindere. Ferner, so wirft etwa Alexander Talos, IT-Security Coordinator des Zentralen Informatik Dienstes (ZID) der Universität Wien, Skype seit längerem vor, dass das nicht Verwenden von fixen Port-Nummern ein Management verhindere. Letztlich betreibe Skype einen enormen Aufwand, um zu verhindern, dass Netzadministratoren mit entsprechenden Tools einen verantwortungsvollen Betrieb des Dienstes ermöglichen können.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kamen vor rund einem Jahr auch zwei EADS-Mitarbeiter, als sie versuchten, den Skype-Code zu analysieren. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Client-Software eine Blackbox sei und kaum die Durchsetzung einer vernünftigen Security-Policy erlaube. Beim europäischen Kernforschungszentrum Cern, das als Geburtsstätte des modernen WWW gilt, ist die Skype-Nutzung sogar offiziell verboten. Die Wissenschaftler befürchten, dass ihre Rechner im Skype-Verbund zu Supernodes werden und so ein besonders hohes Verkehrsaufkommen entsteht. (hi)