Digital-Check

Firmen sehen Gefahren der Digitalisierung nicht

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die meisten Unternehmen überdenken nicht ihr Geschäftsmodell angesichts der Digitalisierung. Bitkom hat deutsche Firmen im Auftrag von Tata einem Digital-Check unterzogen.
  • 78 Prozent der Digitalisierungsprojekte stößt der CIO an, was Bitkom Research nur dann für sinnvoll hält, wenn der CIO Vorstandsmitglied ist
  • 17 Prozent der Befragten erklären, die Digitalisierung habe keinerlei Auswirkungen auf ihr Geschäftsmodell
  • In Sachen moderndes Arbeitsumfeld stellt die Studie deutschen Unternehmen ein gutes Zeugnis aus

"Vielen Unternehmen fehlt nach wie vor das Bewusstsein für den disruptiven Charakter der Digitalisierung", erklärt Sapthagiri Chapalapalli. Der Director Central Europe bei Tata Consultancy Services (TCS) Deutschland fasst damit die Studie "Die zwei Gesichter der Digitalisierung" zusammen. TCS hatte Bitkom Research mit der Erhebung unter rund 800 deutschen Unternehmen beauftragt.

Wie der Bitkom Research (im Auftrag von TCS) feststellt, erklärt nur jedes zweite deutsche Unternehmen Digitalisierung zum wichtigen oder sehr wichtigen Ziel. Automotive hat die Nase vorn.
Wie der Bitkom Research (im Auftrag von TCS) feststellt, erklärt nur jedes zweite deutsche Unternehmen Digitalisierung zum wichtigen oder sehr wichtigen Ziel. Automotive hat die Nase vorn.
Foto: TCS/Bitkom Research

Bitkom Research hat acht Punkte untersucht:

1. Bewusstsein für Digitalisierung

Jeder zweite Befragte (50 Prozent) erklärt Digitalisierung zum "wichtigen" oder "sehr wichtigen" Ziel. Das ist wenig, kommentieren die Studienautoren. Meist entwickeln auch nur die Unternehmen, die dem Thema Priorität einräumen, eine Digitalisierungsstrategie. Das heißt für Deutschland: Fast ein Viertel der Befragten können überhaupt keine Strategie vorweisen, ein weiteres Viertel nur bezüglich einzelner Bereiche.

Positiv aufgefallen sind den Forschern drei Branchen: Automotive, Chemie/Pharma und Banken/Versicherungen.

2. Verantwortung

Rund acht von zehn (78 Prozent) Digitalisierungsprojekten werden vom CIO beziehungsweise der IT angestoßen. Bitkom Research hält das nur dann für sinnvoll, sofern der CIO im Vorstand sitzt. Ideal sei ein auf höchster Ebene verankerter Chief Digital Officer, der solche Projekte initiiert, koordiniert und steuert. Einen solchen haben dreizehn Prozent der Befragten etabliert.

3. (Un)Antastbarkeit des Geschäftsmodells

Zwar gehen deutsche Firmen Digitalisierung in konkreten Fragen an. So wollen sie Produkte und Dienstleistungen stärker individualisieren (44 Prozent) oder erweitern ihr Portfolio um virtuelle, digitale Leistungen (36 Prozent). Manche nehmen Produkte vom Markt (dreizehn Prozent). Bitkom Research merkt jedoch an, dass ein grundsätzliches Überdenken des Geschäftsmodells meist fehlt. 17 Prozent der Befragten erklären denn auch, die Digitalisierung habe überhaupt keinen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell.

Laut Studie von Bitkom Research (im Auftrag von TCS) nehmen sich deutsche Firmen einzelne Aspekte der Digitalisierung vor, überdenken aber zu selten das komplette Geschäftsmodell.
Laut Studie von Bitkom Research (im Auftrag von TCS) nehmen sich deutsche Firmen einzelne Aspekte der Digitalisierung vor, überdenken aber zu selten das komplette Geschäftsmodell.
Foto: TCS/Bitkom Research

4. Plattform-Gedanke

In dieser Studie forciert Bitkom Research den Plattform-Gedanken. "Jedes Unternehmen sollte zumindest prüfen, ob es Plattformen gibt, die für seine Zielgruppe und sein Segment relevant sind", schreiben die Forscher. Bisher setzt erst gut jedes fünfte Unternehmen (22 Prozent) das um. Eines der Ziele einer solchen Plattform besteht darin, Kunden direkt an der Produktentwicklung zu beteiligen.

5. Vier digitale Schlüsseltechnologien

Auf technologischer Seite gelten vier Punkte als relevant, das sind externe und interne Netzwerke, Cloud Computing und Big-Data-Lösungen. Erst fünf Prozent der Befragten setzen alle diese Technologien integriert ein.

6. Vernetzung mit Partnern

Wer sich mit Lieferanten und Dienstleistern vernetzt, kann B2B-Potenzial nutzen, ist Bitkom Research überzeugt. Noch habe sich das in deutschen Unternehmen nicht durchgesetzt.

7. Modernisierung der Arbeitsplätze

Dies ist der einzige Punkt, an dem die Studienautoren den deutschen Unternehmen ein gutes Zeugnis ausstellen. Die Digitalisierung von Büro- und Verwaltungsprozessen und die Optimierung der Arbeitsumwelt sei "relativ weit" gediehen. Konkret nennen sie die Möglichkeit, flexibel zu arbeiten (69 Prozent), virtuelle Meetings abzuhalten (63 Prozent) und mobile Endgeräte zu nutzen (97 Prozent).

8. Beratung

Wichtigste Partner deutscher Entscheider sind IT- und Personalberatungen. So arbeiten 26 Prozent der Befragten mit IT-Consultants zusammen, um ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren. 18 Prozent optimieren Geschäftsprozesse mit externer Unterstützung.

Chapalapalli liegt besonders der Punkt Geschäftsmodelle am Herzen. Es gelte jetzt zu prüfen, an welchen Punkten das Geschäftsmodell einer Firma angreifbar sei - "und das besser heute als morgen".

 

offroadrunner

Bodenständige Unternehmer sehen die Gefahren der Digitalisierung sehr wohl !

Ergo ist für sie die sicherste Strategie, NICHT zu digitalisieren !

Nur, wenn man seine Unternehmensdaten NICHT in Server-Farmen ("Cloud") schickt (Transportrisiko) und dort speichern läßt (Datenleck- / Verschlüsselungsrisiko, Zugriff Geheimdienste), sondern DEZENTRAL selbst vorhält und sichert, hat man die bessere Kontrolle !

Nur, wenn man seinen Kühlschrank, seinen Fernseher oder seine Alarmanlage NICHT über das "Internet der Dinge" mittels Smartphone steuert, hat man KEINE Sicherheitsprobleme !

Früher war es so, daß der Mensch vorsichtiger war und offensichtlichen Gefahren aus dem Wege ging, um keinen Schaden zu nehmen !

Heute werden Gefahren insbesondere im IT-Sektor erst fahrlässig bzw. billigend in Kauf genommen, um hinterher festzustellen, wie (kosten-) aufwendig, nerv- und zeittötend und eigentlich aussichtlos der Kampf gegen die alltäglichen Digitalisierungsgefahren ist !

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