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Zweiter kreativer Rundumschlag von Adobe

04.04.2005
In der zweiten Version seiner "Creative Suite" verstärkt Adobe die Integration der Anwendungen. Die deutsche Ausgabe erscheint im Juni.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Adobe Systems kündigt heute das neue Release 2 seines Programmpakets "Creative Suite" an. Die CS2 umfasst neue Versionen von Photoshop, Illustrator, InDesign, GoLive und VersionCue sowie das bereits zuvor erschienene Acrobat 7.0 Professional. Neu eingeführt werden der verbesserte und neu geschriebene Datei-Browser "Adobe Bridge" und der Dienst "Adobe Stock Photos".

Bei der Weiterentwicklung der Creative Suite hat der Hersteller eine engere Integration der einzelnen Anwendungen im Auge gehabt - was beispielsweise an Adobe Bridge deutlich wird, das anders als die frühere Dateiverwaltung von Photoshop nun in allen CS2-Anwendungen zur Verfügung steht. Bridge bildet die Schaltstelle des Pakets und bietet vier Ansichten (Thumbnail, Filmstreifen, Details sowie Versionen und Alternativen), Verweise auf zuletzt geöffnete Dateien und Ordner, Tipps und Tricks, gespeicherte Dateigruppen, einen RSS-Reader sowie Zugriff auf Farbverwaltungsprofile. Dazu kommen noch drei Schaltflächen für Navigation, Vorschau und Metadaten.

Direkt aus Adobe Bridge kann man auch auf den Dienst Stock Photos zugreifen. Dieser soll den Einkauf bei Bilderdiensten erleichtern. Partner sind zunächst Photodisc (Getty), Comstock (Jupitermedia), Digital Vision, imageshop royalty free (zefaimages) sowie amana.

Immer noch eines von Adobes Flaggschiffprodukten ist die Bildbearbeitung Photoshop. Diese hat in Version CS2 wieder diverse nützliche Verbesserungen erfahren. Die wohl spektakulärste dürfte das neue Fluchtpunkt-Werkzeug sein. Damit lassen sich Bildelemente zeichnen, kopieren und transformieren und passen sich dabei automatisch an die Bildperspektive an. Ähnlich arbeitet das Verkrümmungs-Werkzeug, das Grafiken direkt auf der Arbeitsfläche verdrehen, strecken, biegen oder umhüllen kann.

Der Filter Camera RAW ist in der neuen Version 3.0 integriert mit Bridge und kann die Einstellungen für mehrere Bilder gleichzeitig modifizieren. Außerdem lassen sich Rohdaten aus Digitalkameras nun im Hintergrund in JPEG, TIFF, PSD oder DNG umwandeln, ohne dass dazu das Photoshop-Hauptprogramm geladen werden müsste.

Dem Vektorgrafik-Klassiker Illustrator haben die Entwickler engere Integration mit Photoshop, neue Dateiformate und eine verbesserte Benutzerschnittstelle spendiert. Außerdem verfügt der Illustrator mit "Interaktiv Abpausen" (Live Trace) und "Interaktiv Malen" (Live Paint) über zwei neue Werkzeuge. Das erstere verwandelt gescannte Fotos oder handgezeichnete Skizzen in skalierbare Vektorgrafiken, zweiteres ermöglicht die Anwendung von Farben auf Flächen und Konturen unabhängig vom Ausgangsformat.

Das Web-Autoren-Tool GoLive wurde vor allem in punkto Integration, mobile Inhalte und Cascading Style Sheets (CSS) verbessert. Bei Inhalten für mobile Endgeräte setzt Adobe unter anderem auf die Standards CDD, XHMTL, SVG(-T), 3GPP sowie MPEG4. Geräte-Emulationen für Handys von Nokia und Sony Ericsson werden bereits mitgeliefert, weitere sind möglich. GoLive unterstützt nun außerdem visuelles CSS-Editieren mit Drag and drop von vorgefertigten CSS-Objekten; Standardwerkzeuge wie Ebenen, Layout-Raster und Layout-Textrahmen erzeugen in der CS2-Version standardmäßig CSS.

Die Layout-Software InDesign kämpft seit ihrer Einführung gegen den Platzhirsch "Quark XPress" und nimmt diesem seit einiger Zeit kontinuierlich Marktanteile ab. Was die Features angeht, nehmen sich beide Applikationen wenig. Adobe kann aber nicht zuletzt wegen der zunehmenden Verbreitung PDF-basierender Publishing-Workflows immer häufiger punkten - in Sachen Portable Document Format kann Quark einfach nicht mit vergleichbarer Integration aufwarten.

Aus InDesign CS2 lassen sich nun Grafik-, Text- und Attribute auf Rahmenebene als Objektstile sichern und anschließend global anwenden und updaten. Inhalte und Layouts aus Seitenabschnitten lassen sich - via Adobe Bridge, Desktop, Bibliothekspalette oder E-Mail - als "Snippets" weitergeben und austauschen.

Eines sollte man keinesfalls unerwähnt lassen: Mit der CS2 führt Adobe für alle enthaltenen Produkte eine Aktivierung ein, wie man sie von unter anderem aktuellen Version von Microsofts Windows und Office kennt. Binnen 30 Tagen muss die Software beim Hersteller aktiviert werden, ansonsten kann man sie nicht mehr weiterverwenden. Da bei diesem Vorgang die Kopie an die spezifische Rechnerkonfiguration gebunden wird, sind Raubkopien kaum mehr machbar.

Nach wie vor gestattet es die Lizenzpolitik des Herstellers aber, ein Produkt auf zwei Rechnern zu installieren (etwa einem stationären und portablen) und abwechselnd zu benutzen. Die Aktivierung ist wahlweise via Internet oder auch telefonisch möglich.

Die deutschsprachig lokalisierte Version der Creative Suite 2 erscheint im Juni und kostet in der Standard Edition (ohne GoLive und Acrobat Professional) 1630 sowie in der Premium Edition 2100 Euro. Updates von der Vorversion CS gibt es für 620 beziehungsweise 875 Euro. Systemvoraussetzungen sind Windows 2000/XP oder Mac OS X ab Version 10.2.8. (tc)