Suchmaschinen in China und Russland

Yandex - das unkontrollierte Russland

05.11.2014
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Mathias von Hofen arbeitet als Freier Autor, unter anderem für mehrere Landeszentralen für politische Bildung. Er war zuvor als Abteilungsleiter bei Kubon&Sagner sowie bei Interfax tätig. Von Hofen ist Diplom-Politologe mit den Schwerpunkten Wirtschaft und Politik in Russland und Osteuropa.

An Facebook und Twitter beteiligt

Durch sein starkes Wachstum in den letzten Jahren ist Yandex zur viertgrößten Suchmaschine weltweit geworden. Das Unternehmen ist ein Jahr älter als Google. Mittlerweile zählt Yandex über 4000 Mitarbeiter. Im Mobilbereich plant Yandex mit dem sogenannten Yandex.Kit eine eigene Version für Android, um sich damit von Google unabhängig zu machen. Im Jahr 2012 führte Yandex auch einen eigenen kostenlosen Browser auf dem russischen Markt ein, der in Versionen für Android, Windows und Mac OS X erhältlich ist und mittlerweile einen Marktanteil von 7 Prozent in Russland hat (vgl. liveinternet.ru).

Neben Google und Yandex können sich andere Suchmaschinen in Russland nur mit verhältnismäßig kleinen Anteilen am russischen Markt behaupten: Dazu gehört, neben Rambler, vor allem die Suchfunktion des Mailportals Mail.ru mit einem Marktanteil von knapp 10 Prozent. Mail.ru ist eines der größten und bekanntesten Portale im russischen Internet. Dahinter steht die Mail.ru-Gruppe, die weltweit in Online-Firmen investiert und auch Anteile an Facebook Inc. (circa 500 Millionen US-Dollar), Twitter (400 Millionen US-Dollar) und dem Rabattportal Groupon hält.

Politische Einflussnahme

Allerdings ist der russische Online- und Suchmaschinenmarkt auch durch ein gewisses Moment der Unsicherheit geprägt. Bisher war die Kontrolle des russischen Internets weit weniger strikt als in China. Die russische Regierung hatte sich vor allem auf die Kontrolle der Radio- und Fernsehsender des Landes konzentriert und dabei dem Internet nur begrenzt Aufmerksamkeit geschenkt. So entstand die bemerkenswerte Situation, dass das russische TV-Programm weitgehend gleichgeschaltet ist, während das Internet bisher stets viele Plattformen für kritische Kommentare und Stellungnahmen bot.

Seit wenigen Jahren schenkt die russische Regierung jedoch dem Internet mehr Aufmerksamkeit. So erließ die Regierung im Jahr 2012 ein neues Gesetz, dass es Behörden ermöglicht, Websites ohne Gerichtsbeschluss zu blockieren. Das Gesetz wurde mit dem Vorgehen gegen Kinderpornografie begründet, doch es hat auch eine politische Stoßrichtung. Außerdem setzt der Kreml seit einiger Zeit IT-Unternehmen unter Druck, die sich bis dahin erfolgreich seiner Kontrolle entziehen konnten. So hat der Gründer des sehr erfolgreichen Netzwerks VK.com sein Unternehmen, wohl vor allem aufgrund politischen Drucks, verlassen und seine Anteile verkauft. Das Unternehmen soll jetzt indirekt vom Putin Vertrauten Igor Setschin und dem Oligarchen Alischer Usmanow, der Mitbesitzer von Mail.ru ist, kontrolliert werden.

Der Konflikt in der Ukraine hat Bestrebungen zur politischen Kontrolle des Internets in Russland weiter verstärkt. Es erscheint möglich, dass auch Yandex stärker in den Fokus der auf Kontrolle zielenden Politik gerät. Äußerungen Putins zu Yandex aus dem Jahr 2013 zu einem dort angeblich vorhandenen "ausländischen Einfluss" lassen dies möglich erscheinen - siehe Spiegel Online.

Auch die beabsichtigte Gründung einer staatlichen kontrollierten Suchmaschine durch die russische Regierung steht offensichtlich im Zusammenhang mit Versuchen mehr Kontrolle über das Internet zu gewinnen. Allerdings scheint das Projekt sputnik.ru unterfinanziert zu sein, insbesondere im Vergleich zum Etat, der Yandex zur Verfügung steht. Nach eigener Darstellung orientiert sich Sputnik auf "offizielle und amtliche Quellen", "erleichtert das Leben im Staat und der Gesellschaft" und schließt Links zu Quellen mit Bezug zu Drogen und Pornografie aus (vgl. corp.sputnik.ru). Es erscheint jedoch fraglich, ob das Projekt wirklich eine Alternative zu Yandex und Google werden kann.