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Yahoo-Urteil zeigt die Grenzen des grenzenlosen Web auf

14.08.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein kürzlich erlassener Richterspruch könnte den Internet-Service-Providern deutlich machen, wie die Regierungen einzelner Länder die grenzüberschreitende Allmacht des World Wide Web einschränken können. In dem bisher letzten Kapitel eines Rechtsstreits zwischen Yahoo und zwei Pariser Antirassismus-Organisationen hat ein Gericht in Frankreich eine Untersuchung darüber eingeleitet, wie französische Internet-Nutzer vom Besuch der Auktionsseite des Online-Giganten abgehalten werden können. Richter Jean-Jacques Gomez, der mit dem Fall seit April dieses Jahres betraut ist, ordnete am vergangenen Freitag die Bildung eines Expertenteams an. Die drei Fachleute sollen nach Möglichkeiten suchen, wie der Herkunftsort von Internet-Nutzern identifiziert werden kann. Mittels einer entsprechenden Technik soll es dann möglich sein, französische Besucher der Yahoo-Website

herauszufiltern.

Hintergrund des Rechtsstreits ist der Verkauf von rassistischen Artikeln auf einigen Websites der US-amerikanischen Internet-Firma. In einem ersten Gerichtsurteil wurde Yahoo zunächst dazu angehalten, auf seinen Auktionen die Verbreitung von Nazi-Hinterlassenschaften zu unterbinden (CW Infonet berichtete). Der Internet-Provider ging nach dem Urteil in Berufung. Yahoo argumentierte, solange es keine intensivere Auseinandersetzung mit der technischen Umsetzung gebe, werde man auch den Zugang für französische Surfer auf den entsprechenden Websites nicht einschränken.

In einem ähnlichen Fall haben gestern die Behörden von Saudi-Arabien die Schließung einer Yahoo-Website angeordnet, auf der pornografisches und ähnlich anstößiges Material dargestellt wird. Die Entscheidung der saudischen Behörden sei unwiderruflich, hieß es in einer offiziellen Erklärung. Der Inhalt der Website verstoße gegen die religiösen, sozialen und politischen Werte des Landes, so die Begründung. In dem konservativen arabischen Königreich gibt es weder Kino noch Theater. Außerdem herrscht strenge Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit. Erst seit Januar vergangenen Jahres dürfen Internet-Service-Provider in Saudi-Arabien ihre Dienste anbieten.