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Y2K: Gartner gibt Entwarnung

29.12.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Kurz vor dem Datumsumstellung auf das Jahr 2000 haben wichtige Analysten ihre Einschätzungen zu den voraussichtlichen Folgen des Problems 2000 geäußert. Die Gartner Group gibt sich dabei weitgehend optimistisch. "Zum 1. Januar erwarten wie keine Katastrophen; höchstens kleinere Pannen, die vielleicht ein paar Stunden dauern", erklärte Analyst Matt Hotle. "Viele Unternehmen werden die Auswirkungen erst am 3. oder 4. spüren, wenn die Mitarbeiter aus dem Urlaub zurückkommen und die Systeme wieder hochfahren." Die Hälfte aller Y2K-Pannen wird nach Einschätzung von Hotle erst im Laufe des kommenden Jahres auftreten. Die gesamten Folgekosten des Computerproblems schätzt Gartner weiterhin auf 300 bis 600 Milliarden Dollar.

Lou Marcoccio, ebenfalls Gartner-Mann, ergänzte seinen Kollegen mit einigen geografischen Spezifika. Während nach Einschätzung der Auguren Staaten wie die USA, Großbritannien, Australien, Schweden und Chile am besten auf das Jahr 2000 vorbereitet seien, hinke die Umstellung in Rußland, Indien, Pakistan und diversen Staaten in Zentral- und Westafrika sowie im südpazifischen Raum am stärksten hinterher. Auch hier rechnet Gartner nicht mit Katastrophen. "Es werden isoliert signifikante Probleme auftauchen", die in ein paar Stunden behoben seien, schätzt Marcoccio.

Ed Yardeni, Volkswirt bei der Deutschen Morgan Grenfell in New York, hält den offen zur Schau getragenen Optimismus von Behörden und Marktforschern allerdings für völlig verfrüht. "Das ist eine Mischung aus Sorglosigkeit und Arroganz", wetterte der Banker, der in der Vergangenheit bereits düstere Szenarios für das erste Halbjahr 2000 gemalt hatte. Es wäre wohl das größte Wunder in der Geschichte der Menschheit, wenn alle Systeme angepaßt worden seien. Und für viele angeblich umgestellte Rechner fehle die Zeit für seriöse Tests, meint Yardeni.