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X-Fab bestätigt Verhandlungen mit Infineon

25.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Erfurter Halbleiterhersteller X-Fab hat Interesse an der Infineon-Fabrik in München-Perlach bestätigt. "Wir verhandeln mit Infineon über das Werk", sagte Finanzvorstand Chris Förster am Mittwoch auf Anfrage in Erfurt. Zu Details der Gespräche wollte er sich nicht äußern. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erwägt der Münchner Chipkonzern Infineon, sein von der Schließung bedrohtes Stammwerk an das Thüringer Unternehmen zu verschenken. Nach FAZ-Informationen verhandeln beide Unternehmen außerdem über eine Zuzahlung von Infineon an X-Fab und längere Arbeitszeiten für die Belegschaft in München-Perlach.

X-Fab mit 1.200 Beschäftigten ist kein Massenhersteller, sondern auf die Fertigung von analog-digitalen Schaltkreisen im Auftrag von Industriekunden spezialisiert. "Wir wachsen schneller als der Markt", sagte Förster. Nach einem kräftigen Umsatzzuwachs im vergangen Jahr und 22 Prozent in den ersten drei Monaten dieses Jahres gehen Fachleute davon aus, dass X-Fab auf der Suche nach zusätzlichen Fertigungskapazitäten ist. München-Perlach passe vom Produktionsprofil, hieß es in Erfurt.

Laut "FAZ" könnte sich die Zuzahlung bei einer Schenkung auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag belaufen. Im Gegenzug fordert Infineon von X-Fab, die Mehrheit der derzeit rund 800 Arbeitsplätze in dem Münchner Werk zu erhalten.

Bisher unterhält die X-Fab Semiconductor Foundries AG insgesamt drei Produktionsstätten in Erfurt, den USA und Großbritannien mit einer Kapazität von monatlich insgesamt 28.000 Siliziumscheiben (Wafern). Die Schaltkreise werden unter anderem in der Automobilindustrie, Kommunikations- oder Medizintechnik eingesetzt.

Die "Financial Times Deutschland" hatte zuvor berichtet, derzeit sei "vollkommen offen", ob es zu der Übernahme durch X-Fab kommt. Ein Infineon-Sprecher hatte nur bestätigt, dass es einen potenziellen Interessenten für das Werk gibt.

X-Fab verbuchte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 142,4 Millionen Euro einen Nettogewinn von 6,7 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote wurde mit 71,5 Prozent angegeben. Mehrheitsgesellschafter des Halbleiterherstellers ist seit 1999 die belgische Beteiligungsgesellschaft ELEX N.V. (dpa/tc)