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Wurm I Love You sorgt für Chaos im Internet

05.05.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der bis dato meistverbreitete Virus „I Love You“ hat weltweit für chaotische Verhältnisse in den Unternehmen gesorgt. Lawinenartig war der Virus am vergangenen Donnerstag über das Internet gekommen und legte innerhalb weniger Stunden Tausende Server in aller Welt lahm. Betroffen von dem Erreger, der sich als Visual-Basic-Script selbständig an sämtliche Adressaten des Outlook-Adressbuchs verschickt, waren unter anderem Konzerne wie Mannesmann, Siemens und Microsoft. Alleine in den USA hat der Virus Schätzungen zufolge einen Schaden von einer Milliarde Dollar verursacht. Darin sind Produktionsausfälle sowie Kosten für die Reinigung von Software und für neue Antivirusprogramme enthalten.

Bei dem Virus handelt es sich um ein relativ simples Visual-Basic-Script, das sich im System einnistet, sobald der Empfänger die infizierte E-Mail öffnet. Einige Dateiarten, darunter JPEG-Bilder, werden vom Wurm gelöscht und durch eigenen Programmcode mit der zusätzlichen Endung .vbs ersetzt. Der virtuelle „Liebesbrief“ stammt offensichtlich von einem Schüler aus den Philippinen mit dem Pseudonym „Spinne“.

Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) berief nach Bekanntwerden des Massenvirus eine Expertengruppe ein. Sie soll Gegenmaßnahmen entwickeln und bereitstellen. Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) werde mit Hochdruck an der Analyse des Virus sowie an entsprechenden Schutzmaßnahmen gearbeitet.

Der Virus ist seit Donnerstagabend zudem in mindestens einer neuen Variante im Umlauf. Sie nennt sich Joke und hat eine angehängte Datei mit der Bezeichnung “Very Funny”. Öffnet der Anwender diese E-Mail, sind die Folgen ähnlich wie bei I Love You: Verschiedene Arten von Dateien, darunter auch Bild-, Musik- und Videodateien, werden zerstört. Nach Ansicht von Experten ist der Virus noch gefährlicher als der ähnlich gestrickte “Melissa“-Virus vom April vergangenen Jahres.