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Wurm-Hysterie: F-Secure bezweifelt Horrorszenarien

10.08.2007
Von pte pte
Der durch die Orkannacht im Januar 2007 bekannt gewordene "Storm Worm" treibt im Internet weiter ungeniert sein Unwesen. Mit hunderten Millionen von versandten E-Mails steht die fälschlicherweise als Wurm bezeichnete Malware eindeutig an der Spitze der über E-Mail ausgeschickten Bösewichter. Allein, die Infektionsraten sind angeblich bei weitem nicht so hoch, wie es Security-Anbieter und Medien in den vergangenen Tagen durch die Gegend posaunten.

Von bis zu 1,7 Millionen infizierten und zu Bots umfunktionierten PCs war in "Information Week" die Rede. Und auch Security-Analyst Joe Stewart von SecureWorks schätzte den Umfang des aufgebauten Botnetzes am Rande der Security-Konferenz Black Hat auf bis zu eine Million beteiligte Rechner. "Die rekordverdächtige Zahl an versendeten Mails kann nicht direkt mit der Anzahl der Infektionen in Verbindung gebracht werden", stellt F-Secure-Chefanalyst Mikko Hyppönen im Gespräch mit pressetext klar. Laut den eigenen Statistiken finde sich "Storm Worm" nicht einmal unter den Top 10 der auf Geräten gefundenen Malware wieder, bezweifelt Hyppönen die Horrormeldungen der vergangenen Tage. Seinen Schätzungen zufolge soll die Zahl der tatsächlich betroffenen Computer "eher in den Zehntausenden als in den Hunderttausenden" liegen.

Dass die kriminelle Gang, die "Storm-Worm" ins Leben gerufen hat, nicht zu unterschätzen ist, zeigen allerdings die vielfältigen Adaptionen des Schädlings in punkto Auftreten und Verbreitungsweg. Setzten die Entwickler zunächst noch auf einen verseuchten Anhang, der gekoppelt mit einer Nachrichtenmeldung zum Öffnen animierte, weisen die E-Mails nun einfach einen Link zu einer elektronischen Grußkarte auf. Wird die Kartensoftware installiert, nistet sich der Schädling im Computer ein und funktioniert das Gerät zum fremdgesteuerten Bot um. Die Vorgehensweise der Cyberkriminellen hat in den letzten Tagen auch vermehrt zu Spekulationen geführt, dass das riesige Botnetz zu einem verheerenden Denial-of-Service-Angriff genutzt werden könnte. Einen einzigen Großangriff bezeichnet Security-Experte Hyppönen allerdings als unwahrscheinlich: "Meine Vermutung ist eher, dass die 'Storm Worm'-Gang ihr Botnetz an verschiedene Abnehmer vermieten wird. Dass geleaste Botnets jedoch auch für DoS-Attacken eingesetzt werden, hat zuletzt etwa der Angriff auf die estnischen Regierungsseiten gezeigt". (pte)