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WSJ: Auch Goldman Sachs belohnte Topmanager mit IPO-Aktien

04.10.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Neben den Investmentbanken Salomon Smith Barney und Credit Suisse First Boston steht nun auch Goldman Sachs unter Verdacht, Führungskräfte von Unternehmenskunden mit IPO-Aktien für Aufträge belohnt zu haben. Insgesamt sollen davon Topmanager von 21 US-Firmen profitiert haben, darunter Ebay-Chefin Margaret Whitman sowie der Yahoo-Mitbegründer Jerry Yang, berichtet das "Wallstreet Journal" unter Berufung auf Informationen aus Ermittlerkreisen. Die beiden Topmanager sollen seit 1996 bei mehr als 100 Börsengängen eine Zuteilung erhalten haben und die Anteile anschließend schnell wieder verkauft haben.

Besonders fragwürdig ist die Rolle von Whitman: Die Chefin des Online-Auktionshauses sitzt im Aufsichtsrat der Bank, gleichzeitig hat ihr Unternehmen in dem fraglichen Zeitraum rund acht Millionen Dollar Honorargebühren an Goldman Sachs gezahlt. Bei Ebay wurden neben Whitman auch das Verwaltungsratsmitglied Robert Kagle, der Mitbegründer Jeffrey Skolle und der Gründer Pierre Omidyar mit IPO-Aktien bedacht. Zu den weiteren Begünstigten zählen dem Bericht zufolge auch Vorstände oder Aufsichtsräte von Worldcom, Enron, Etoys oder Global Crossing. Alle Firmen waren in dem betreffenden Zeitraum auch Kunden der Investmentbank.

Die Vergabe von Neuemissionsaktien ist an sich nicht strafbar. Probleme bekäme Goldman Sachs jedoch, falls sich herausstellt, dass die Investmentbank mit den Zuteilungen lukrative Aufträge für sich generiert hatte. Erst vergangene Woche hatte der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer den ehemaligen Worldcom-Chef Bernard Ebbers verklagt, weil er IPO-Aktien von Salomon Smith Barney kaufte und gleichzeitig Investmentgeschäfte mit dem Geldinstitut machte (Computerwoche online berichtete). (mb)