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Worldcom-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen Ex-CEO Ebbers

09.02.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der wegen Betrugs angeklagte ehemalige Worldcom-Chef Bernard Ebbers wurde von seinem damaligen Finanzchef stark belastet. In seiner Zeugenaussage bekräftigte Ex-CFO Scott Sullivan vor dem Geschworenengericht in New York, dass Ebbers in die Bilanzmanipulationen verwickelt war, die im Juli 2002 zu der größten Firmeninsolvenz in der US-Geschichte geführt hatten. Sullivan bestätigte, dass er die Einnahmen in den Konzernbilanzen zwischen 2000 und 2002 zu hoch angesetzt und die Kosten künstlich gesenkt hatte, um die Erwartungen der Wall-Street-Analysten zu erfüllen. Dabei habe er jedoch mit dem Einverständnis des damaligen Konzernchefs und der Buchhaltung gehandelt, betonte Sullivan. Ebbers habe ihn ständig darauf hingewiesen, dass Worldcom die Marktprognosen erreichen müsse.

Als Großaktionär von Worldcom habe der Firmengründer ein starkes persönliches Interesse an der Kursentwicklung gehabt und sich in diesem Zusammenhang zunehmend auch um finanzielle Einzelheiten gekümmert, so Sullivan.

Der ähnlich wie Ebbers ebenfalls wegen Verschwörung, Wertpapierbetrug und Falschaussagen stark belastete Ex-CFO hat sich bereits schuldig bekannt und als Kronzeuge zur Verfügung gestellt. Ebbers Anwalt Reid Weingarten plädiert dagegen auf die Unschuld seines Mandanten und versucht, Sullivan als Drahtzieher der Machenschaften darzustellen. Bei einem Schuldspruch drohen Ebbers rechnerisch bis zu 85 Jahre Haft.

Der 63-jährige Firmengründer war im April 2002 als CEO von Worldcom zurückgetreten, kurz bevor das Unternehmen den mit elf Milliarden Dollar größten Bilanzbetrug der US-Geschichte einräumte. Im Sommer 2002 beantragte das Unternehmen Gläubigerschutz nach Paragraf 11 des US-Konkursrechts. Etwa 20.000 Mitarbeiter wurden arbeitslos und die Worldcom-Aktionäre verloren rund 180 Milliarden Dollar. Inzwischen hat die Company die Reorgansiation abgeschlossen und sich in MCI Inc. umbenannt. (mb)