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Worldcom: Das war noch nicht alles

02.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die bislang von Worldcom offiziell eingestandenen Fehlbuchungen von 3,85 Milliarden Dollar bedeuten möglicherweise noch nicht das Ende der Fahnenstange. Gestern teilte der angeschlagene Konzern nun mit, er habe wohl noch weitere Ungereimtheiten entdeckt. Das "Wall Street Journal" berichtet unter Berufung auf Insider, dabei könne es nochmals um eine Summe von einer Milliarde Dollar gehen.

"Worldcoms Statement ist vollkommen unzureichend und unvollständig", empörte sich SEC-Chairman Harvey Pitt. "Es beweist, dass das Unternehmen seinen Investoren nicht alles offenlegen und alles andere als voll mit der Börsenaufsicht kooperieren will." Der beschuldigte Konzern gab daraufhin kontra. Man sei "sehr überrascht" über Pitts Kommentar. "Unsere Antwort war völlig korrekt und entspricht unserem aktuellen Kenntnisstand", so Worldcom.

Die Aktie des Unternehmens stürzte gestern am ersten Handelstag nach Bekanntwerden des Bilanzskandals in der vergangenen Woche um 90 Prozent auf sechs Cent ab. Die Technikbörse Nasdaq will Worldcom am Freitag dieser Woche delisten, die US-Regierung wird in Aussicht gestellte Aufträge der öffentlichen Hand möglicherweise stornieren.

Ein Antrag auf Gläubigerschutz wird damit immer wahrscheinlicher. Die Kanzlei Weil, Gotshal & Manges wurde bereits vorsorglich mit der Vorbereitung eines solchen beauftragt. Worldcom muss demnächst ungesicherte Kreditlinien mit einem Volumen von 4,25 Milliarden Dollar begleichen. (tc)