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Worldcom-Chef verkauft sein (privates) Tafelsilber

20.02.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach dem erneuten Kurseinbruch der Worldcom-Aktie will CEO Bernie Ebbers zur Begleichung seiner privaten Schulden seine kanadische Ranch und andere Privat-Immobilien verkaufen. Der Chef des zweitgrößten US-Carriers hatte nach Informationen der "Financial Times" von der Bank of America einen Kredit von 198,7 Millionen Dollar erhalten, um 27 Millionen Anteile des eigenen Unternehmens zu kaufen. Anschließend hatte Woldcom das Darlehen für ihn übernommen und ihm außerdem einen Kredit von 165 Millionen Dollar bewilligt. Der Konzern wollte damit verhindern, dass Ebbers durch einen eventuellen Verkauf seines Aktienpakets einen Kursrutsch auslöst. Der Firmenchef steht nun bei seinem Unternehmen mit insgesamt 340 Millionen Dollar in der Kreide, außerdem hat ihm Worldcom ein weiteres Darlehen von 35 Millionen Dollar zugesagt. Die Verpflichtungen des gebürtigen Kanadiers entsprechen

damit in etwa Worldcoms Reingewinn im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres (Computerwoche online berichtete).

Nach dem erneuten Kurseinbruch sind Ebbers Aktien nur noch rund 185 Millionen Dollar wert. Bei einem Verkauf der Anteile könnte der Worldcom-Chef daher nur knapp die Hälfte seiner Verbindlichkeiten decken. Die Veräußerung der Anteile aber wollen Ebbers und sein Unternehmen unbedingt vermeiden, nachdem der Kurs von 64,5 Dollar im Juni 1999 auf unter zehn Dollar gefallen ist. Bereits vor einer Woche hatte der einstige Aktien-Milliardär bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des vierten Quartals erklärt, er werde nun sein eigenes Vermögen verkaufen, um die Schulden abzutragen und kein Aktienpaket veräußern. Ebbers hatte damals behauptet, er verfüge über genügend Sicherheiten für die Kredite. Laut einem Bericht an die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ist jedoch das Gegenteil der Fall. Dennoch zahlt der Firmenchef laut SEC nur 2,14 bis 2,18 Prozent Zinsen an des

Unternehmen.

Auch bei seinen Immobiliengeschäften bewies Ebbers kein glückliches Händchen: 1998 hatte der Worldcom-Boss die kanadische Farm für rund 60 Millionen Dollar gekauft, den aktuellen Wert schätzen Experten jedoch erheblich niedriger ein. (mb)