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Worldcom beginnt mit Reorganisation

30.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zehn Tage nach dem Antrag auf Gläubigerschutz nimmt die geplante Reorganisation bei Worldcom erste Züge an: Die Insolvenzverwalterin Carolyn Swartz stellte ein Komitee zusammen, das die Interessen der Gläubiger unabgesicherter Verbindlichkeiten vertreten soll. Mitglieder sind vor allem Halter von Anleihen des Carriers sowie zweier Tochtergesellschaften, außerdem sitzen für die kreditgebenden Banken Vertreter der Deutschen Bank und ABN Amro im Gremium. Unternehmen, denen Worldcom für Lieferungen und Dienstleistungen noch Geld schuldet, werden durch EDS und AOL Time Warner vertreten. Die Gruppe soll unter anderem aushandeln, welchen Anteil der Verbindlichkeiten die Gläubiger nach Ende der Insolvenz zurückerhalten und in welchem Rahmen sie mit Aktien des neuaufgestellten Konzerns entschädigt werden. Zudem ist es ihre Aufgabe die bewilligten Übergangskredite

(Deptor-in-possession- (DIP-)Finanzierung) auf Herz und Nieren zu prüfen.

Außerdem stellte Worldcom-CEO John Sidgemore mit Gregory Rayburn und John Dubel zwei erfahrene Restrukturierungsfachleute der auf Sanierungen spezialisierten US-Firma Alix Partners LLC vor (Computerwoche online berichtete). Nach Unternehmensangaben soll Rayburn als Restrukturierungsleiter (Chief Restructuring Officer) wirken, Dubel hilft als neuer Finanzchef aus, nachdem der bisherige CFO Scott Sullivan wegen Falschbuchungen in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar gefeuert worden war. Die beiden Experten sollen sich in ihren neuen Funktionen unter anderem um Verhandlungen mit Gläubigern, Bewertung von Vorschlägen, die Entwicklung finanzieller Projektionen, die Versorgung der Aktionäre mit wichtigen Informationen sowie den Verkauf von Vermögenswerten außerhalb des Kerngeschäfts kümmern.

Zu den Umstrukturierungsmaßnahmen zählt unter anderem die Schließung der defizitäre Wireless-Sparte bis Ende September. Worldcom erklärte, dass die rund zwei Millionen Mobilfunkkunden zu anderen Anbietern wechseln, profitieren sollen davon AT&T Wireless, Verizon Wireless, Alltel und ein viertes, nicht genanntes Unternehmen. Worldcom erhält von den Betreibern eine Ablöse und will durch die Auflösung der Abteilung jährlich rund 700 Millionen Dollar einsparen. Das Unternehmen hatte diese Vereinbarungen bereits vor dem Antrag auf Gläubigerschutz getroffen.

Worldcom betreibt kein eigenes Mobilfunknetz, sondern verkauft die Dienste von zwei großen Carriern und unter eigenem Namen weiter. Das Unternehmen erzielte damit einen Umsatz von jährlich rund einer Milliarde Dollar, aber keine Gewinne. (mb)