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World-Online-Chefin wirft das Handtuch

14.04.2000
Aufsichtsrat drängte zum Rücktritt

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nina Brink, Gründerin und Chairman des in die Schlagzeilen geratenen Internet-Service-Providers (ISPs) World Online International NV ist von ihrem Posten zurückgetreten. Zu diesem Schritt hatte sie der Aufsichtsrat gedrängt, nachdem ihr geheimer Aktienverkauf die Gemüter der Investoren erhitzte. Die schillernde Mitvierzigerin wird dem niederländischen Konzern jedoch als Beraterin erhalten bleiben und weiterhin das gleiche Gehalt beziehen.

Brink hatte den in Rotterdam ansässigen ISP 1996 gegründet und über den Verkauf von Beteiligungen unter anderem an die Sandoz-Familie (54 Prozent) und Intel (10 Prozent) finanziert. Um ihr Ziel zu erreichen, der größte ISP Europas zu werden, rührte sie mit Hilfe von prominenten Persönlichkeiten wie der Herzogin von York Sarah Ferguson, Ex-Südafrika-Premier Nelson Mandela und Superman-Darsteller Christopher Reeve kräftig die Werbetrommel. Für März 2000 stand dann der Börsengang an. Obwohl die Kundenzahl von World Online weit hinter dem hochtrabenden Ziel zurücklag, setzten die Investmentbanken ABN Amro Rotschild und Goldman Sachs & Co. den Ausgabepreis der Aktie auf 43 Euro fest. Die niederländische Firma legte dann mit einem Emissionsvolumen von drei Milliarden Euro den bisher größten Börsengang eines europäischen Unternehmens hin.

Wenige Tage später wurde bekannt, dass Brink vor dem Börsengang zwei Drittel ihrer World-Online-Aktien zu einem Siebtel des Emissionspreises unter der Hand verkauft hatte - unter anderem an die Investmentfirma Baystar Capital aus San Franzisko. Der Erlös betrug 90 Millionen Euro. Diese Nachricht und die Tatsache, dass Baystar 1,2 Millionen Aktien veräußert hatte, bewirkte einen Aufruhr unter den Investoren und brachte den Börsenwert von World Online zum Absturz. Nach einem Tiefstand von 14,50 Euro wurde die Aktie heute mittag wieder mit 19,20 Euro gehandelt. Die niederländischen Behörden ermitteln nun, ob ABN und die Amsterdamer Börse sich bei dem umstrittenen Börsengang korrekt verhalten haben.