Projektmarkt

Wo Freelancer mit Big Data 93 Euro pro Stunde bekommen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Beginnt die Postleitzahl des Auftraggebers mit einer Neun, dürfen freie Big Data-Spezialisten mit einem Stundensatz von knapp 93 Euro rechnen. Das dokumentiert die Projektbörse Gulp.
  • Freelancer mit Schwerpunkt Big Data berechnen im Schnitt sieben Euro pro Stunde mehr als alle bei Gulp registrierten Freiberufler zusammen
  • Die meisten solcher Projekte laufen in Münchener Firmen, dennoch erhalten Selbständige in dieser Region nur den dritthöchsten Stundensatz
  • Noch ist der Anteil von Big Data-Projekten gemessen an der Menge aller Projekte gering, doch er steigt kontinuierlich

Die größte Nachfrage garantiert nicht das höchste Honorar. Das gilt jedenfalls für Freelancer mit Schwerpunkt Big Data, wie die Projektbörse Gulp zeigt. Nach eigener Darstellung versammeln sich in der Gulp-Datenbank rund 90.000 Freelancer. Eine gesonderte Auswertung in Sachen Big Data zeigt, wo am meisten zu verdienen ist.

Dass Münchener Unternehmen die meisten Big Data-Projekte starten, heißt nicht, dass sie Freelancern auch die höchsten Stundensätze zahlen.
Dass Münchener Unternehmen die meisten Big Data-Projekte starten, heißt nicht, dass sie Freelancern auch die höchsten Stundensätze zahlen.
Foto: Gulp

Die größte Nachfrage besteht demnach im Postleitzahlengebiet 8, also in der Region um München, Ingolstadt und Augsburg. Die dortigen Unternehmen wickeln mehr als jedes fünfte Big-Data-Projekt (22 Prozent) ab. Hoch ist der Bedarf auch in der Region Frankfurt/M. (PLZ 6) mit knapp 18 Prozent der Anfragen. Auf Platz drei folgt, schon mit einigem Abstand, der Großraum Hamburg (PLZ 2). Mehr als jedes zehnte Projekt (elf Prozent) läuft dort.

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Das heißt nicht automatisch, dass freie Big Data-Spezialisten dort am besten bezahlt werden. Im Ranking der höchsten Stundensätze taucht das Postleitzahlengebiet 8 "nur" auf dem dritten Rang auf. Im Schnitt berechnen IT-Freie dort 87 Euro pro Stunde. Mehr verdienen sie in Ostwestfalen (PLZ 3), nämlich knapp 88 Euro. Gleichzeitig nimmt diese Region im Ranking der Projektanfragen nur Platz neun ein.

Den höchsten Stundensatz zahlen Unternehmen in der PLZ-Region 9, das sind die Gebiete Nordbayern und teilweise Thüringen. Wer dort einen freien Big Data-Experten braucht, muss im Schnitt knapp 93 Euro pro Stunde bezahlen. Im Ranking der häufigsten Projektanfragen landet diese Region aber nur auf Platz acht.

Die Menge an Projektanfragen treibt also das Honorar nicht nach oben. Denn die zweit- und dritthäufigsten Projektanfrager PLZ 6 und PLZ 2 rangieren bei den Stundensätzen auf den Plätzen sieben und acht.

Ein Vergleich aller bei Gulp registrierten Freelancer zeigt, dass Big Data-Spezialisten im Schnitt Stundensätze von rund 90 Euro angeben. Das sind etwa sieben Euro mehr als alle IT-Freiberufler zusammen.

Die Gulp-Auswertung des Projektmarktes zeigt, dass der Anteil an Big Data-Projekten noch sehr gering ist - aber stetig wächst.
Die Gulp-Auswertung des Projektmarktes zeigt, dass der Anteil an Big Data-Projekten noch sehr gering ist - aber stetig wächst.
Foto: Gulp

Noch werden sehr wenige Projekte explizit als Big Data-Projekte ausgeschrieben. Laut Gulp liegt ihr Anteil jetzt bei 1,5 Prozent. Allerdings zeigt ein Rückblick auf den Anfang des Jahres 2014, wie kontinuierlich die Nachfrage steigt. Wer ein solches Vorhaben ausschreibt, kontaktiert im Durchschnitt neun Freie - üblich sind dreizehn. Stefan Symanek, Marketing-Leiter bei Gulp, deutet dies als Hinweis, dass das Angebot an Big Data-Spezialisten "noch recht klein" ausfällt. Eine weitere Interpretation ist die, dass "die Anforderungen so stark spezialisiert sind, dass es nur wenige Experten gibt, die dafür in Frage kommen".

GULP führt Umfragen zum IT- und Engineering-Projektmarkt durch. Die Studien beschäftigen sich mit Stundensätzen, Projektbedingungen, Leistungsanforderungen und Meinungen zu Trends und Skills. Mit Teilnehmerzahlen von teils mehr als 2.000 Befragten geben sie repräsentative Antworten und dienen als Gradmesser für die Projektmarktstimmung. Hier gibt es Informationen zur aktuell gestarteten Befragung.

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