SCHOLZ REPORT

Wirtschaftlichkeits-betrachtungen I

25.02.1977

(Gliederung eines Verfahrens)

Das Problem der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen beschäftigt die gesamte Fachwelt in der Organisation und EDV. Im Rahmen der nächsten Scholz-Reports möchte ich einige Anregungen zum Problem der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen geben. Dabei geht es mir weniger darum, konkrete finanzmathematische Verfahren aufzuzeigen, als eine Art Hilfestellung für den EDV-Alltag zu leisten.

Viele Organisatoren glauben, daß sie die fachliche Unkenntnis dadurch ersetzen können, indem sie ein unglaublich aufwendiges Verfahren einsetzen, welches besonders im Fachbereich viel Eindruck schinden soll. Damit möchte sich der Organisator profilieren. Besonders junge Organisatoren verfallen in den Irrglauben, daß man mangelnde Kenntnis der Probleme des Fachbereichs durch Methodik ersetzen kann.

Sicherlich muß eine gewisse Methodik bei der Ermittlung der Wirtschaftlichkeit von Projekten gegeben sein. Primär kommt es jedoch darauf an, daß der sachliche Gehalt eines Projektes sehr sorgfältig abgegrenzt wird. Viele Projekte würden besonders vom Management sehr viel rascher entschieden, wenn dieses den Eindruck hätte, daß alle fachlichen Probleme besonders sorgfältig geprüft worden sind.

Der EDV-Alltag sieht leider viel anders aus. Durch die immer wieder störenden Anforderungen seitens der Fachbereiche hinsichtlich Ergänzungen oder Änderungen zu bestehenden Projekten ist man gezwungen, laufende Projekte zu unterbrechen. Meistens erwartet der Fachbereich, daß zu einem Projektantrag sehr schnell Stellung genommen wird, so daß für die Prüfung der Frage der Wirtschaftlichkeit viel zu wenig Zeit übrigbleibt. Man geht also zu Schätzungen ganz grober Art über und setzt die ermittelten (oder gepokerten) Schätzwerte in das hausinterne Verfahren der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung ein. Mit Hilfe dieses mehr oder weniger undurchsichtigen Systems nimmt man nun die Schätzwerte als gegeben an und ermittelt so die Wirtschaftlichkeit.

Ich meine, daß diese Verfahrensweise generell nicht gut ist. Man sollte lieber etwas mehr Aufwand in die sachlichen Probleme investieren als in die methodischen Überlegungen. Ein Verfahren zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte daher so einfach wie möglich sein, damit die jeweiligen Fachbereiche es auch ohne große EDV-Kenntnisse verstehen und sich dementsprechend auf die wirklichen Probleme zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit konzentrieren können.

Im Rahmen der nächsten Scholz-Reports möchte ich die grundsätzliche Problematik der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen anhand der folgenden Gliederung darstellen:

1. Einmalige Kosten für personelle Aufwendungen

1.1 Kosten der Projektaufbereitung/Entscheidungsfindung

1.2 Mitarbeiterkosten

1.3 Beraterkosten

1.4 Reisekosten

1.5 Ausbildungskosten/Fortbildungskosten

2. Einmalige Kosten für Maschinennutzung

2.1 Testkosten des eigenen EDV-Systems

2.2 Testkosten fremder EDV-Systeme

2.3 Anlaufkosten der Hardware

3. Einmalige Kosten für Sachmittel/Investitionen

4. Kapitalverzinsungskosten

5. Amortisationsbetrag bzw. AfA-Dauer

5.1 Laufzeit von Projekten

5.2 Annuitätenmethode

6. Kosten des bisherigen Verfahrens

6.1 Hardwarekosten (Test und Produktion)

6.Z Softwarekosten

6.3 Programmpflegekosten

6.4 Personalkosten im Fachbereich

7 Kosten des neuen Verfahrens

7.1 Hardwarekosten (Test und Produktion)

7.2 Softwarekosten

7.3 Programmpflegekosten

7.4 Personalkosten im Fachbereich

7.5 Annuität

8. Nicht quantifizierbare Einflußfaktoren

9. Kosten-Nutzen-Betrachtung

10. Mittelrückfluß-Berechnung